Das ganze Zeug, das wir uns im Netz bestellen, muss durch die Gegend gekarrt werden - in der Regel mit LKW. Weil man diese Transporte nicht alle auf den Güterverkehr der Bahn verlagern kann, unterstützt das Bundesumweltministerium jetzt ein Projekt mit Elektro-LKW. Die bekommen Strom aus Oberleitungen. Also eigentlich wie bei Zügen.

Elektro-Lastkraftwagen sehen eigentlich genauso aus wie alle anderen. Unter der Haube stecken aber zwei Motoren: ein Elektromotor und zusätzlich ein Dieselmotor für den Fall, dass keine Stromleitung da ist. Wenn eine Stromleitung da ist, kommt der Stromabnehmer ins Spiel.

"Das funktioniert mit einem Sensorsystem. Das ist ein Laserscanner, der erkennt, ob eine Fahrleitung da ist. Und nur wenn die da ist, bügelt sich der Stromabnehmer ein."
Michael Lehman, Systemingenieur beim Projekt eHighway

Das geht also alles voll automatisch. Der Elektro-LKW kann auch ohne Probleme überholen. Dann fährt sich der Stromabnehmer zurück und der Dieselmotor wird angeworfen. Zurück auf der rechten Spur verbindet sich der LKW wieder mit dem Strom.

Bei der Unterstützung dieses Projekts geht es dem Ministerium vor allem um die Umweltfreundlichkeit. Wie bei jedem Elektroauto kommt es aber vor allem darauf an, welcher Strom eingespeist wird. Wenn der aus Braunkohle kommt, ist das mit der Umweltverträglichkeit natürlich wieder relativ.

"Wenn man Klimaschutz ernst nimmt, kommt man nicht dran vorbei, auf alternative Antriebe umzusteigen. Der Oberleitungs-LKW kann zu 85 Prozent Strom aus alternativen Energien nutzen."
Martin Bullheller vom Bundesverband Güterverkehr und Logistik

Die Technik gibt es schon seit Jahrzehnten. In den Sechzigern sind schon Elektro-Busse an Oberleitungen durch die Innenstädte gefahren. Man kann auch auf Entwicklungen bei modernen Zügen zurückgreifen. Und es gibt schon Teststrecken in anderen Ländern, zum Beispiel in Schweden und Kalifornien. Und auch in der Uckermark in Brandenburg fahren auf einem Firmengelände schon testweise Elektro-LKW an Oberleitungen.

Bis spätestens 2018 sollen jetzt in Deutschland zwei offizielle Testrecken hinzukommen. Wo genau ist noch nicht klar, aber es wird wohl eine Autobahn in Schleswig-Holstein sein und eine in Hessen.

Akkus statt Oberleitungen?

Die wenigen Elektro-LKW, die es im Moment schon gibt, fahren mit Akkus. Sie haben eine Reichweite von etwa 300 Kilometern. Damit kann man keine Güter durch ganz Deutschland oder Europa transportieren. Oberleitungen würden das Reichweitenproblem lösen.

Ob mit Akku oder Oberleitung: Elektro-LKW sind noch ziemlich teuer in der Anschaffung. Und die Oberleitungs-Technik kann nicht nachgerüstet werden. Am Ende wird sich das wirtschaftlichere System durchsetzen. Elektro-LKW, in welcher Form auch immer, werden aber kommen.