Veronika Svillans floh 1944 vor der Roten Armee nach Deutschland, dann arbeitete sie als Fremdarbeiterin auf einem Bauernhof. 1945 brach sie sich den Arm - und wurde in die Psychiatrie eingewiesen. Die Diagnose: Schizophrenie.

Der Friedhof der Psychiatrie Wiesloch in der Nähe von Heidelberg. Ein Grabstein und ein Name: Vera Svillans - 1923 bis 2006. Dabei hieß Vera eigentlich Veronika. In der Psychiatrie in Deutschland wurde sie unter einem falschen Namen geführt. Ihre Schwester hat sie jahrelang über das Rote Kreuz gesucht - mit dem Namen Veronika - und deshalb nicht gefunden.

Ein fast vergessenes Schicksal

Der Journalist Mario Damolin hat einen Dokumentarfilm über Veronika Svillans gedreht. Der wichtigste Film seines Lebens, sagt er heute. In "Verschollen in der Psychiatrie" trifft er die 80-jährige Veronika Svillans. Eine Frau im Rollstuhl, die seit Jahrzehnten nicht mehr spricht, gefüttert werden muss.

"Was wissen wir eigentlich über diese vielen Einzelschicksale, die abgeheftet sind, die in Regalen vor sich hinmodern? Diese Veronika Svillans war eine davon, zufällig bin ich da vorbei gekommen und habe gefragt: Habt Ihr da was?"

Die Geschichte der Veronika Svillans

1944 kommt Veronika Svillans nach Deutschland. Sie flieht mit ihrer Tante, ihrem Onkel und ihrer Schwester vor der Roten Armee. Auf der Flucht trennen sich ihre Wege. Veronika kommt auf einem Bauernhof in Bayern unter - als Fremdarbeiterin. In dieser Zeit habe Veronika ihre Unbekümmertheit verloren, glaubt Mario Damolin. Alte Fotos aus dieser Zeit zeigen eine verschlossene, ängstliche junge Frau, erzählt er.

"Das ist ein Foto, das gemacht wurde, während sie auf diesem Bauernhof in Bayern war. Und da ist schon diese Zurückgezogenheit, diese Angst."
Mario Damolin

Auf dem Bauernhof in Bayern passiert dann das, was ihr Leben fortan bestimmen wird: Sie bricht sich bei Heuarbeiten einen Arm. Der Armbruch wird nicht richtig behandelt und ihre Verschlossenheit erst als Depression und dann als Schizophrenie diagnostiziert. Darüber, dass ihr Deutsch vielleicht nicht ausreicht, um sich gut genug zu verständigen, denkt niemand nach.