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Covid-19 als Fake oder Vertreter "dunkler Mächte", die Blut von Kindern trinken, um sich zu verjüngen – Verschwörungsdenker glauben an solche Mythen und leben in einer anderen Wirklichkeit. Literaturwissenschaftlerin Eva Horn versucht in ihrem Vortrag, das Denken dieser Gruppe zu verstehen.

Verschwörungsdenker gibt es überall. Es sind Lehrerinnen und Lehrer darunter, Pflegerinnen und Pfleger: Eva Horn arbeitet heraus, dass bei vielen der Fantastereien nicht nur bildungsferne Schichten mitmachen.

Ein Versuch, ernsthaft in den Dialog zu treten

Mittlerweile sei die Zahl der Exponenten dieser Gruppe auf eine Stärke angewachsen, die es ernst zu nehmen gelte. Was nicht jeder tut, der sich mit so einer Geisteshaltung beschäftigt: Eva Horn will mit ihnen ernsthaft in einen Dialog treten. Dass sie selbst Probleme damit hat, macht aber auch sie deutlich.

"Es kommt ganz nah an mich ran. Ich rede mit Leuten und denke: Woran glauben die denn? Und die denken das Gleiche von mir."
Eva Horn, Literaturwissenschaftlerin

Verschwörungsmythen als Form des Einspruchs

Nahezu schockiert schildert sie, dass ihr unlängst ein Freund aus den USA geschrieben hat, den sie seit einigen Jahren nicht mehr gesehen habe – und in dem ebenfalls eine dieser seltsamen Wandlungen vorgegangen sein müsse. Offen feindselig seien seine Sätze an sie gewesen – gepaart mit unzusammenhängenden Angriffen gegen Alles und Nichts.

"Ich habe nie eine Maske getragen und weigere mich bei diesem Unsinn mitzumachen."
Brief eines Freundes an Eva Horn

Abtun will sie diese Art von Besserwisserei aber nicht: Ihrer Ansicht nach drückt sie eine Form des Einspruchs aus, eine Geisteshaltung von Skepsis, ein Hinterfragen der Realität. Am Ende all dessen stehe jedoch eine geteilte Wirklichkeit in der Bevölkerung.

Die Literaturwissenschaftlerin für Neuere deutsche Geschichte und Klimaforscherin Eva Horn forscht und lehrt an der Universität Wien. Vorgetragen hat sie unter dem Titel "Die Besserwisser. Wissenschaftsskepsis, Verschwörungsdenken und die Erosion der Wirklichkeit" innerhalb der Veranstaltungsreihe "Mosse Lectures" am 29. April 2021 an der Berliner Humboldt-Universität.