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Als Adam Weishaupt den Illuminatenorden am 1. Mai 1776 als "Bund der Perfektibilisten" gründete, verfolgte der Geheimbund die Unterwanderung des absolutistischen Staates. Wie wurde daraus ein bis heute langlebiger Verschwörungsmythos?

Als Adam Weishaupt den geheimen Bund der Illuminaten am 1. Mai 1776 unter dem Namen "Bund der Perfektibilisten" in Ingolstadt gründete, wird er nicht geahnt haben, dass fast 250 Jahre später dieser Orden immer noch als Paradebeispiel für Verschwörungserzählungen herhalten muss.

Der außerordentliche Professor für Kirchenrecht wollte unter den Perfektibilisten jene Studenten versammeln, mit denen er eine moralisch einwandfreie und tugendhaft gebildete Gruppe formen konnte, die das voranschreitende "Böse" in die Schranken weisen sollte.

"Nach Diktion der Aufklärung war Adam Weishaupt so etwas wie ein 'Kind der Aufklärung' und 'aktiver Teil der Aufklärung'."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Letztlich ging es um die Unterwanderung des absolutistischen Staates, der durch die Vervollkommnung der Menschen überflüssig gemacht werden sollte. Der bayerische Staat verbot den Illuminatenorden 1784/85 offiziell.

Eine Grafik zeigt Adam Weishaupt
© Stadtarchiv Ingolstadt/Grafische Sammlung
Adam Weishaupt taucht bis heute in Verschwörungserzählungen auf

Doch damit war die Geschichte nicht beendet: Unmittelbar nach dem Verbot kursierten Gerüchte, der Bund lebe im Geheimen weiter. Dies markiert den Beginn moderner Verschwörungsmythen, die in unterschiedlichsten Varianten bis heute fortbestehen.

"Es hielt sich die Erzählung, dass der Illuminatenorden weitermachen würde, dass er nahezu alle Institutionen unterwandert habe und überall wirken würde."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Verschwörungserzählungen über Illuminaten

Besonders in rechtsextremen und antisemitischen Kreisen wurden die Illuminaten instrumentalisiert. So wurde Ende des 19. Jahrhunderts behauptet, Adam Weishaupt sei Jude gewesen und habe das antisemitische Pamphlet "Protokolle der Weisen von Zion" verfasst. Allein Weishaupts Lebensdaten (1748–1830) entlarven dies als Unsinn: In der Hetzschrift wird die Pariser Untergrundbahn erwähnt, deren Bau jedoch erst 1897 begann.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Olaf Simons arbeitet an der Arbeitsstelle Illuminatenforschung der Universität Erfurt und erläutert die Absichten von Adam Weishaupt.
  • Historiker Mathias Niendorf von der Universität Greifswald beschäftigt sich mit mittelalterlichen Verschwörungserzählungen.
  • Die Bürgerrechtlerin und Volkswirtin Katharina Nocun beschreibt, wie Verschwörungserzählungen heute "funktionieren" und wie man dagegen angehen könnte.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt zurück in die Mitte des 18. Jahrhunderts und beschreibt das Umfeld, in dem die Illuminaten gegründet wurden.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries lässt Weishaupt und seine Ideen Revue passieren.

Anmerkung: Unser Bild oben zeigt das "Auge der Vorsehung" auf dem US-amerikanischen Ein-Dollar-Schein. Es ist kein Symbol der Illuminaten, wird aber häufig fälschlicherweise dafür gehalten.

Shownotes
Verschwörungserzählungen
Die Gründung der Illuminaten 1776
vom 06. Februar 2026
Moderation: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
Gesprächspartner: 
Dr. Olaf Simons, Mitarbeiter der Arbeitsstelle Illuminatenforschung, Universität Erfurt
Gesprächspartner: 
Prof. Mathias Niendorf, Historiker an der Universität Greifswald
Gesprächspartnerin: 
Katharina Nocun, Bürgerrechtlerin und Volkswirtin
Gesprächspartnerin: 
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
  • Veronika von Borries über die Entstehung der Illuminaten
  • Der Erfurter Historiker Dr. Olaf Simons beschreibt den Gründer der Illuminaten, Adam Weißhaupt & dessen Motive
  • Der Greifswalder Historiker Prof. Mathias Niendorf zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Verschwörungserzählungen
  • Die Netzpolitikerin Katharina Nocun beschreibt aktuelle die Wirkung neuer Verschwörungserzählungen