Der Nachrichtendienst Twitter will gegen die Verbreitung von Verschwörungsmythen vorgehen. Das Unternehmen hat nun tausende Accounts gesperrt, die in Verbindung zu dem Netzwerk QAnon stehen. Denn: Die Verschwörungsmythen könnten auch zu realen Verbrechen anstiften.

Die Verschwörungsmythen des QAnon-Netzwerkes erzählen sich folgendermaßen: Kinder werden angeblich in Gefängnissen gehalten. Dort sollen ihnen Adrenochrom – ein Stoffwechselprodukt aus dem Adrenalin – entnommen werden. Prominente, wie Hillary Clinton und Tom Hanks, sollen sich Adrenachrom dann spritzen, um ewig jung zu bleiben. Solche und andere Botschaften verbreiten Anhänger des Netzwerkes über verschiedene Plattformen.

Urheber unbekannt

Es ist nicht bekannt, wer ursprünglich hinter der Bewegung QAnon steckt, sagt Alexa Waschkau. Sie ist Host des Podcast Hoaxilla. Über eine mögliche Urheberschaft lasse sich nur spekulieren. Viele gehen davon aus, dass es ein Account auf der Plattform 4chan war, der 2017 angefangen hat, Verschwörungsmythen zu verbreiten. Auf 4chan sind die Accounts anonym – dafür steht auch das "anon" im Namen der Bewegung.

Viele prominente Anhänger

Was hingegen nachvollziehbar ist: Wer die Inhalte teilt und verbreitet. In der Vergangenheit tauchten auf Twitter immer wieder Accounts auf, die in Verbindung zu QAnon standen und von US-Präsident Donald Trump teilweise retweetet wurden, sagt Alexa Waschkau.

Berühmte Verschwörungsmystiker wie Alex Jones teilten die Botschaften des Netzwerks. Auch hierzulande gibt es berühmte Anhänger: Xavier Naidoo und Attila Hildmann stellen sich öffentlich auf die Seite der teilweise antisemitischen und rechtsradikalen Inhalte.

Twitter bannt QAnon

Twitter hat nun 7.000 Accounts gesperrt und insgesamt rund 150.000 Nutzerkonten eingeschränkt. Die Begründung des Unternehmens: Die Botschaften von QAnon könnten auch im wirklichen Leben Schäden anrichten. Nutzerkonten, welche die Verschwörungsmythen der QAnon-Bewegung verbreiten, würden daher dauerhaft gelöscht. Auch das Teilen der Links soll künftig nicht mehr möglich sein.

"Verschwörungstheorien haben das Potential reale Verbrechen auszulösen."
Alexa Waschkau, Host des Podcasts Hoaxilla

Anhänger des Verschwörungsmythos gelten als sehr aggressiv, sagt Alexa Waschkau. Aufgrund der beschriebenen Endzeit-Szenarien, hätten viele das Gefühl auf die Straße gehen zu müssen und den bewaffneten Kampf gegen den Deep State aufzunehmen.

Darunter seien auch Menschen, die behaupten, Anschläge verüben zu wollen und die Donald Trump als Garanten für ihre eigene Sicherheit sehen. Die Behauptung ist: Trump habe ihnen die Erlaubnis gegeben, Menschen verhaften zu können, da sie in der Logik des Verschwörungsmythos gegen das Böse kämpfen würden.

Anhänger sind von Verschwörungsmythen motiviert

Das führe dazu, dass einige tatsächlich losziehen und versuchen Menschen zu entführen oder Anschläge zu verüben, sagt Alexa Waschkau. Im Herbst 2017 ist ein Mann in das Pizza-Lokal marschiert, in dessen Katakomben die angeblich entführten Kinder gefangen gehalten sein sollten. Der Mann gab einige Schüsse ab, als er jedoch keine Kinder vorfand, ließ er sich verhaften, erzählt Alexa Waschkau.

Auch der Täter des Anschlags in Hanau gehörte zu den Verschwörungsmystikern. In Videos sprach er davon, dass Eliten Kinder entführen würden.

"Twitter war für QAnon ein relevantes Medium, um ihre Botschaften zu verbreiten."
Alexa Waschkau, Host des Podcasts Hoaxilla

Der Nachrichtendienst Twitter war für die Verbreitung ihrer Botschaften für QAnon sehr zentral, sagt Alexa Waschkau. Natürlich nutzen die Anhänger auch andere Plattformen, wie Instagram, Facebook und TikTok. Aber: Allein an den Dimensionen der gesperrten und eingeschränkten Konten auf Twitter, könne man erkennen, wir relevant Twitter für QAnon war.