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QAnon ist ein Verschwörungsmythos, der in den USA entstand, mittlerweile aber eine weltweite Anhängerschaft hat. In Deutschland hat die Bewegung während der Pandemie viele neue Anhänger gefunden, sagt Simone Rafael, Publizistin und Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung. Die Schnittmenge zu Rechtsextremen und Reichsbürgern sei groß.

Bei der Erstürmung des Kapitals in Washington vergangene Woche waren auch Anhänger der QAnon-Bewegung – so die bisherigen Ermittlungsergebnisse. Der Kurznachrichtendienst Twitter hatte daraufhin rund 70.000 Konten gesperrt. Als Verschwörungsmythos ist QAnon vor ein paar Jahren in den USA entstanden und hat mittlerweile eine weltweite Anhängerschaft, so auch in Deutschland.

QAnon mit starkem Zuwachs während der Pandemie

Die Anhängerschaft hierzulande sei 2020 während der Corona-Pandemie sehr stark angewachsen, sagt Simone Rafael, Publizistin und Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung, die einen Report zu QAnon veröffentlicht hat. Mit einer Anhängerschaft von rund 150.000 Menschen zähle sie zu der größten Community außerhalb des englischsprachigen Raums.

"Wir haben eine Anhängerschaft von ungefähr 150.000 Menschen. Internationale Studien zeigen, dass das tatsächlich die größte Community außerhalb des englischsprachigen Raums ist."
Simone Rafael, Publizistin und Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung

Simone Rafael hält die Bewegung für gefährlich und ihre Anhänger für gewaltbereit. Wer sich für solche Verschwörungsideologien begeistere, sei leicht manipulierbar und habe sich bereits weit von der Realität entfernt hinein in eine wahnhafte Wirklichkeit. Auch seien die Verschwörungsmythen geprägt von einer Art Bürgerkriegsrhetorik, von einem Bedrohungsszenario, das das Handeln und Einschreiten der Anhängerschaft einfordere.

"Ich denke, dass diese Bewegung tatsächlich relativ gefährlich ist, weil sie eben auch vor Gewaltbereitschaft nicht zurückschreckt."
Simone Rafael, Publizistin und Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung

Warnschuss für Bundestagswahl

Eine der zentralen Abwertungen von QAnon beinhalte Demokratiefeindlichkeit und Antisemitismus. Daher sei auch die Schnittmenge zu Reichsbürgern und Rechtsextremen ausgesprochen groß, so Simone Rafael. Bei QAnon würden sich außerdem Leute aus der Trapperszene finden – Menschen, die Waffen horten und auf den Tag X warten.

Auch wenn das Weltbild der Bewegung noch so schräg und abseitig wirke, die Ereignisse in den USA hätten gezeigt, dass sie von der Politik und staats-schützenden Institutionen beobachtet und ernst genommen werden müssen – vor allem mit Hinblick auf die Bundestagswahl im September.

"Ich glaube, dass die Ereignisse in den USA natürlich auch einen Vorbildcharakter haben können für die Bundestagswahl, die dieses Jahr bevorsteht."
Simone Rafael, Publizistin und Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung

Auch darum sei es wichtig, gute Aufklärungsarbeit leisten zu können. Dafür brauche es aber mehr Beratungsstellen für Angehörige, die Menschen an diese Verschwörungsideologien verlieren würden und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, sagt Simone Rafael.