Kürzlich hat uns Mark Zuckerberg stolz die neusten Rekordnews verkündet: Acht Milliarden Video-Views habe Facebook - am Tag. Einige Techblogs melden aber Zweifel an, ob Facebook tatsächlich gerade dabei ist, Youtube den Rang als Videoplattform Nummer eins abzulaufen.

Im April 2015 waren es "nur" vier Milliarden - der gute Mark hat diese wichtige Zahl also in nur einem halben Jahr verdoppelt.

"Einige Techblogs meinen, Zuckerberg habe sich nicht nur die Zahlen schön gerechnet, sondern auch die Inhalte geklaut."
Martina Schulte, DRadio Wissen Netzreporter

Bei Techcrunch wenden Kritiker ein, die Zahl acht Millionen könne nicht ganz korrekt sein: Für Facebook bedeute "View", dass das Video gerade mal drei Sekunden läuft. Wie viele Leute danach überhaupt weiterschauen, wissen wir nicht. Aber heise hat das für eines seiner eigenen Videos getestet. Nicht mal 25.000 Nutzer haben das Video länger als 30 Sekunden angeschaut, die restlichen fast 40.000 Nutzer - also rund 60 Prozent - schauten nur "mindestens 3 Sekunden".

Autoplay-Funktion treibt die Views in die Höhe

Heise folgert, ein Großteil dieser gewaltigen Steigerung sei also lediglich auf die Autoplays zurückzuführen, das ist die Funktion, die die Videos in der Timeline beim Darüberscrollen einfach loslaufen lässt. Heise sagt, bei anderen getesteten Videos sei der Unterschied sogar noch eklatanter. Verallgemeinere man diese Erfahrungswerte, würden vermutlich nur rund 30 Prozent der Facebook-Videos tatsächlich angeschaut.

"Die acht Milliarden schmelzen dann auf knapp 2,5 Milliarden Views am Tag zusammen."
Martina Schulte

Aber das ist nicht das einzige Problem: Facebook verdrängt außerdem YouTube-Videos aus der Timeline. Sie laufen nicht mehr über die komplette Breite der Spalte. Die eigenen, bei Facebook hochgeladenen Videos, laufen dagegen durch Autoplay gleich los - man muss diese Funktion erst mal mühsam ausschalten. Und sie nehmen selbstverständlich auch die komplette Breite der Timeline ein.

Facebook vs. Youtube

Noch gravierender ist, was der Videokanal In a Nutshell Facebook vorwirft. Der Kanal macht kurze animierte Erklärvideos, in denen sie Anti-Materie oder Nuklear-Energie erklären. Die Videos laufen bei Youtube und haben Abrufzahlen im hohen sechsstelligen Bereich, manche sogar im Millionen-Bereich. In a Nutshell hat ein lustiges Erklärvideo zu den Facebook-Zahlen hochgeladen. Und da reden sie Klartext:

"Im ersten Quartal 2015 seien 725 der am meisten bei Facebook geteilten Videos geklaut gewesen. Es geht um 17 Milliarden Abrufe."
Martina Schulte zitiert den Videokanal "In a Nutshell"

Youtuber wie In a Nutshell produzieren Inhalte, Medien und Clickbait-Seiten klauen sie bei Youtube, bei Facebook gehen sie dann viral um die Welt. Das ist noch legal. Das größere Problem ist für In a Nutshell aber das sogenannte "Freebooting": Ihre Videos werden von nicht gerade wenigen Facebook-Nutzern kopiert, die die Videos bei Facebook dann als ihre eigenen ausgeben.

"Ein geklautes In-A-Nutshell-Video über Drogenabhängigkeit erzielte über drei Millionen Views bei Facebook. Der eigenen Post selbst kam dagegen nur auf knapp über 100.000 Views."
Martina Schulte

Im Unterschied zu YouTube hat Facebook keinen sogenannten Content-ID-Mechanismus, der automatisch erkennt, ob ein Inhalt geklaut ist und das Video sperrt. Wenn Youtuber bei Facebook Urheberrechtsansprüche anmelden, dauere es mitunter bis zu einer Woche, bis das Video bei Facebook von der Seite genommen werde, sagt In a Nutshell.