Bei Impfstoffen ist die richtige Dosis ganz entscheidend. Der Virologe Gerd Sutter erklärt, wie die wissenschaftliche Suche danach zum Erfolg wird.

Für die Wirkung einer Impfung ist die Dosierung des Impfstoffs entscheidend. Zu wenig löst die erwünschte Abwehrreaktion des Körpers nicht oder nur zu schwach aus. Zu viel des Impfstoffs lässt die Abwehrreaktion des Körpers vielleicht zu stark ausfallen.

Letzteres ist acht Mitarbeiter eines Stralsunder Pflegeheim passiert. Sie haben versehentlich die fünffache Dosis des Covid-Impfstoffs erhalten. Eine Frau wird wegen grippeähnlicher Symptome noch in einer Klinik behandelt. (Stand 31.12.2020) Die restlichen Mitarbeitenden sind aus der medizinischen Behandlung bereits entlassen worden.

Gerd Sutter vermutet in diesem Fall einen technischen Fehler. Die gegenwärtige Hektik könne Schwierigkeiten verursachen. Grundsätzlich gilt für ihn bei der Dosierung von Impfstoffen allerdings: "Viel hilft viel. Das finde ich in meiner Erfahrung eigentlich immer wieder. Das ist gar nicht so unrichtig."

Impfstoffmenge ist entscheidend

Gerd Sutter leitete von 2003 bis 2009 die Virologie am Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Dort wird unter anderem an der Zulassung von Impfstoffen gearbeitet. Er lehrt seit 2009 Virologie am Institut für Tiermedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er sagt, auf eine Impfung müsse das Immunsystem reagieren. Deswegen sei die Bestimmung der Menge des Impfstoffs auch so entscheidend für die Impfstoffentwicklung.

"Die Impfung ist ja so was wie eine Alarmglocke. Die muss bedient werden, um das Immunsystem wachzurütteln."

Er erklärt, dass in der Impfstoffentwicklung sowohl in der Präklinik als auch in der klinischen Prüfung, fünffach-Schritte beim Ermitteln der richtigen Dosis eigentlich keine Rolle spielen: "Man untersucht da von so einem Impfstoff häufig sogar in Zehnerpotenzschritten ansteigende Dosen."

Balance zwischen Immunantwort und Nebenwirkungen

Aus langjähriger Erfahrung sei bekannt, dass weniger als die zehnfache Menge meist keinen großen Unterschied mache. Er weist darauf hin, dass auf ökonomische Gesichtspunkte bei der Dosisermittlung erstmal keinerlei Rücksicht genommen werde.

"Als bevorzugte Dosis hat man die im Auge, die die beste Balance zwischen der gemessenen Immunantwort und notwendigen, aber unangenehmen Nebenwirkungen erlaubt."

Grundsätzlich sei die gegenwärtige Situation allerdings beispiellos – gerade für die Impfstoffentwicklung und Impfstoffherstellung. Praktisch gleichzeitig werden Milliarden von Impfstoffdosen angefordert und eingefordert. Das bringe auch Impfstoffentwickler an ihre Grenzen, die auf Massenproduktion eigentlich eingestellt seien.

"Selbst Impfstoffentwickler, die sich sehr leicht tun, viele Dosen zu produzieren, wie jetzt gerade zum Beispiel die Messenger RNA-Impfstoffe, selbst die geraten jetzt ins Wanken."