Wer in einem Land lebt, in dem man für den Besuch einer Website oder für eine regierungskritische Mail verhaftet werden kann, für den ist ein VPN, ein "Virtual Private Network", quasi überlebenswichtig. Auf Druck der chinesischen Regierung hat Apple jetzt aber alle wichtigen VPN-Apps aus dem chinesischen App Store entfernt.

VPNs schützen WLAN-Nutzer davor, dass der Betreiber eines WLANs bei euch mitlesen kann, was er nicht mitlesen soll. In China wird das für Apple-Nutzer jetzt schwieriger.

Ist Apple eingeknickt vor China?

Im chinesischen App Store sind ab sofort keine vertrauenswürdigen VPN-Apps mehr zu finden. Apple ist vor der Diktatur eingeknickt, so lautet die Kritik. Gleichzeitig müssen sich Unternehmen aber auch an die jeweils geltenden Gesetze halten, sagt unser Netzreporter Michael Gessat.

"Ob das jetzt richtig oder falsch war, dafür gibt es mehrere Kriterien: Geschäft oder Moral – und die Moral hat wiederum Auswirkungen auf das Geschäft."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

IT-Firmen wie Google oder Facebook müssten sich ja auch bei uns in Deutschland oder in der EU ans geltende Recht halten, wenn sie hier Geschäfte machen, sagt Michael. 

Staatliche Genehmigung nötig

In China sind VPNs zwar nicht pauschal verboten, doch VPN-Anbieter müssen seit Ende Januar eine staatliche Genehmigung dafür haben. Im Klartext heißt das: Bei Anbietern mit Genehmigung könnt ihr davon ausgehen, dass die Regierung mitlesen kann.

Die Apps, die Apple jetzt aus dem chinesischen Store rausgeschmissen hat, hatten die Genehmigung jedenfalls nicht – und genau das war, wie Apple mittlerweile bestätigt hat, der Grund für den Rauswurf. 

Das Problem: Apple hatte sich stets als Hüter der Privatsphäre seiner Nutzer dargestellt und betont, dem Regierungsdruck nicht nachgeben zu wollen.

Schwierige Lage für Apple

Für Apple ist das jetzt natürlich äußerst unangenehm, schreibt etwa Techcrunch. Denn wie solle das Unternehmen jetzt gegen die Begehrlichkeiten der Trump-Regierung argumentieren, bei der Entschlüsselung der iPhones von Straftätern oder Terroristen mitzuhelfen, wenn Apple in China eingenickt ist?

Chinesische Nutzer können trotzdem noch einiges machen, um doch noch VPN zu nutzen, erklärt Michael.

  • sie können versuchen, sich einen nicht-chinesischen Apple-Account zuzulegen (im US- oder anderen AppStores gibt es die Apps ja weiterhin)
  • sie können das Gerät jailbreaken und dann Apps aus inoffiziellen Quellen installieren – hier kursieren allerdings sehr viele kompromittierte Apps, durch die man sich selbst verrät oder Malware aufs Gerät holt, warnt Michael 
  • sie können zu Android wechseln: dort ist der App-Markt viel heterogener und vor allem nicht zentral, also von Google reguliert – China kann also unmöglich eine Firma zwingen, alle Apps zu entfernen  

Geschäft oder Moral?

Wenn chinesische Kunden jetzt auf Android-Geräte umsteigen, ist das natürlich nachteilig für Apple. Wenn Apple sich aber den chinesischen Behörden verweigert hätte, wäre die Firma langfristig aus dem bedeutenden Wachstumsmarkt China rausgeflogen. In der Abwägung der Firmenbosse höchstwahrscheinlich noch nachteiliger.

"Dass die chinesischen Bürger auf die Barrikaden gegangen wären, wenn sie keine iPhones mehr hätten kaufen können, ist unrealistisch."
Michael Gessat, Deutchlandfunk Nova Netzreporter

Ganz im Unterschied zu den USA: Dort könnten die Konsumenten massiv Druck ausüben auf die Regierung, sollte diese die vertrauliche Kommunikation abschaffen wollen.

Russland verbietet VPNs komplett

Entscheidend ist am Ende, welche politischen Rahmenbedingungen in einem Land herrschen, sagt Michael. Russland hat jetzt zum Beispiel ein Gesetz erlassen, dass VPNs ab November verbietet

"Letztlich kann gegen so etwas nur die Bevölkerung selbst rebellieren, nicht eine ausländische IT-Firma."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter