Jeff Koons macht die teuersten Kunstwerke der Welt. Dieser Erfolg ist nicht nur Glückssache. Fleiß, Fokussierung und Kalkül gehören wohl auch dazu, sagt die Journalistin Christiane Hoffmans.

Jeff Koons hat den Titel des teuersten lebenden Künstlers zurück. Seine Hasen-Skulptur "Rabbit" aus dem Jahr 1986 erzielte bei einer Versteigerung am 15.05. in New York den Rekordpreis von knapp 91,1 Millionen Dollar. Insgesamt hat Jeff Koons vier identische Rabbit-Skulpturen produzieren lassen. Christiane Hoffmans ist Kulturredakteurin. Sie sagt, für seinen heutigen Erfolg brauchte Jeff Koons Kalkül, er traf den Zeitgeist und ein bisschen Glück hatte der amerikanische Künstler auch noch.

Koons als Marktspezialist

Christiane Hoffmans findet es tendenziell richtig, Jeff Koons zu unterstellen, er habe seinen eigenen Erfolg kalkuliert. Die Journalistin erinnert daran, dass der Künstler einige Jahre als Broker an der Wall Street gearbeitet hat. Seine Karriere und sein anhaltender Erfolg erkläre sich auch dadurch, dass er die Marktmechanismen extrem gut kenne. Hinzu komme, dass er konsequent an seinem Werk gearbeitet habe.

"Er hat mit den Alltagsgegenständen, Nippes und so weiter gearbeitet. Das ist sein Kunsthandwerk, das sind seine Gegenstände gewesen. Die sind super angekommen in einer Zeit, die stark vom Kapitalismus und vom Markt geprägt ist."
Christiane Hoffmans, Kulturredakteurin bei Welt und Welt am Sonntag

Sie sagt, man müsse den Zeitgeist mit im Blick haben und erinnert daran, dass Jeff Koons im Grunde aus der Pop-Art kommt – in der Nachfolge Andy Warhols und Roy Lichtensteins. Christiane Hoffmans ist der Ansicht, dass Künstlerinnen und Künstler für den Erfolg dem Zeitgeist eigentlich voraus sein müssen.

Außerdem hält sie vor allem die ständige Arbeit im Atelier für eine Erfolgsvoraussetzung, auch eine klare Konzentration auf eigene Materialien und Themen. Außenwelt, die Selbstbeobachtung und Interessenbildung solle man darüber allerdings nicht vernachlässigen und dann müsse auch noch Glück dazu kommen.

"Der hat einfach Glück gehabt, glaube ich."
Christiane Hoffmans, Kulturredakteurin bei Welt und Welt am Sonntag

Ihrer Ansicht nach sollten Künstler nur ein Zehntel ihrer Zeit fürs Kommunizieren und Netzwerken aufbringen. Für ein gutes Netz brauche es viel Zeit. Vom direkten Einreichen von Abbildungen und Mappen – gerade bei Kunstmagazinen – rät sie ab, wenn auch Spezialzeitschriften weiterhin eine große Bedeutung hätten.

"Man muss sich schon mal 10, 15 Jahre im Atelier geben und vielleicht zehn Prozent seiner Arbeitszeit netzwerken aber nicht mehr."
Christiane Hoffmans, Kulturredakteurin bei Welt und Welt am Sonntag

Christiane Hoffmans meint, dass sich Nachwuchskünstler nicht auf Vernetzung in den digitalen Medien verlassen sollten. Die Kunstszene sei weiterhin ein Bereich, in dem die persönliche Begegnung eine große Rolle spielt, bei Ausstellungen und Biennalen und ihren Eröffnungen beispielsweise. Zwei Kuratoren nennt sie Trendsetter in der Kunstszene: Klaus Biesenbach und Hans Ulrich Obrist.

Über Qualität entscheidet die Kunstgeschichte

Wichtige Informationen und auch Urteile einzelner verbreiteten sich dann bei Kunstevents in Windeseile per Mundpropaganda. Christiane Hoffmans nennt als Beispiel die Kunstbiennale in Venedig. Zurück zum Auktionserfolg für Jeff Koons: Insgesamt empfiehlt sie, die Bedeutung des Marktwerts eines Kunstwerks nicht zu überschätzen. Über kunsthistorische Qualität entscheide am Ende die kunsthistorische Bewertung – mit ausreichendem zeitlichem Abstand.

"Der Markt bestimmt, wie viel ein Kunstwerk wert ist. Ob Jeff Koons wirklich gut ist, das wird die Zukunft entscheiden, das entscheidet nicht der Markt."
Christiane Hoffmans, Kulturredakteurin bei Welt und Welt am Sonntag