In England stehen Parlamentswahlen an – die letzten sind gerade zwei Jahre her. Hollie Wickens macht für Labour Wahlkampf in Wales. Mit der Höflichkeit ist es vorbei, stattdessen wurde sie mit dem Tod bedroht, sagt sie.

Einen Tag vor der Parlamentswahl in Großbritannien: Hollie Wickens ist als Wahlkämpferin für Labour in Cardiff in Wales unterwegs. Ihre Partei ist nicht als Remain-Partei in den Wahlkampf gegangen, der Verbleib Englands in der Europäischen Union ist nicht das erklärte Ziel, sondern ein weiteres Referendum. Das Wahlkampf-Motto lautet: The Final Say on Brexit.

Todesdrohung im Wahlkampf

Wegen des Brexits ist der aktuelle Wahlkampf im walisischen Cardiff für Hollie wichtiger als die vorangegangenen. Ungewöhnlich findet sie, dass sie im Wahlkampf, auf unfreundlichere Menschen trifft. Nicht nur das: Sie ist massiv bedroht worden – für Hollie eine neue Erfahrung im Wahlkampf.

"Mir wurde gesagt, ich sollte erschossen werden. Ich sollte sterben, weil ich Labour unterstütze. Das ist nicht normal und das ist häufiger in dieser Wahl."
Hollie Wickens, Wahlkämpferin für Labour, Cardiff Central

Sie führt die Aggression bei Wählerinnen und Wählern auch darauf zurück, dass seit 2016 viele wichtige Wahlentscheidung in dichter Folge angestanden haben. Ein Überblick:

Außerdem, sagt Hollie, wolle niemand in der Weihnachtszeit wählen gehen. Die Mobilisierung der Labour-Anhängerinnen und Anhänger verläuft schleppend. Cardiff war 2016 eine Remain-Stadt, also eine Kommune in der die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler für den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt hat. Bei Wählerinnen und Wählern, außerhalb dieser Labour-Klientel sei die Stimmung radikaler geworden, meint Hollie.

"Ich denke, die Leute sind rassistischer, sie sind lauter und überzeugter von ihren – ich würde sagen – falschen Meinungen."
Hollie Wickens, Wahlkämpferin für Labour, Cardiff Central

Als Wahlkämpferin ist Hollie von den Wahlkampfzielen ihrer Partei überzeugt. Sollte Boris Johnson weiterregieren können, sieht sie für jüngere Wählerinnen und Wähler große Probleme bei den hohen Immobilienpreisen, den hohen Mieten und generell eher instabilen Arbeitsverhältnissen. Boris Johnson werde diese Probleme sicherlich nicht lösen.

"Die Arbeit ist ganz schwer und nicht so sicher. Meine Miete ist ganz hoch, sogar in Cardiff, einer ganz kleinen Stadt. Ich werde nie sparen können."
Hollie Wickens, Wahlkämpferin für Labour, Cardiff Central

Tobias Armbrüster, DLF-Korrespondenten für Großbritannien, berichtet über Hektik bei den Politikern und Spannung in der Bevölkerung. Er weist darauf hin, dass das Meinungsforschungsinstitut Yougov sinkende Zustimmungswerte für Premier Boris Johnson registriert hat. Das könnte seine Fraktion knapp die Mehrheit im britischen Unterhaus kosten.

Tobias Armbrüster, Korrespondent für das Vereinigte Königreich, London
"Trotz dieses Vorsprungs von Boris Johnson können die Meinungsforscher nicht ausschließen, dass er die absolute Mehrheit verfehlt. Er ist auf die absolute Mehrheit angewiesen."