Vor einem riesigen Publikum spielen, als Support-Act eines Superstars: Das klingt nach dem absoluten Jackpot. Aber der Streit um Ed Sheerans Vorprogramm zeigt: Hinter so einem Slot steckt ziemlich viel Business. Was ist die große Bühne wert?

Macklemore wurde nach propalästinensischen Aussagen aus dem Vorprogramm von Ed Sheerans US-Tour gestrichen.  Sheeran sagt, entschieden habe das nicht er selbst, sondern der Tourveranstalter und die Veranstaltungsorte. Aus Solidarität mit Macklemore zogen sich dann noch weitere Support-Acts zurück. Aber wer entscheidet eigentlich über diese Slots?

Ohne Connections läuft nichts

Wenn man nicht gerade Macklemore ist, kommt man an solche Auftritte nicht einfach ran, sagt Alexander Endreß. Er ist Professor an der Popakademie in Mannheim und kennt die Branche ziemlich gut.

Networking ist im Musikbusiness das A und O: Oft haben Booking-Agenturen, Labels oder Managements verschiedene Künstler unter Vertrag. Newcomer platzieren sie dann ganz bewusst als Support bei größeren Künstlern, um ihnen mehr Publikum zu verschaffen.

"Ich kenne es zum Beispiel auch so, dass man sagt, man verengt den Kreis auf drei, vier Acts, und die Künstler entscheiden dann selbst, welchen Act sie gerne dabeihätten.“
Alexander Endreß, Studiengangsleiter Musikbusiness an der Popakademie Baden-Württemberg

Natürlich haben auch die Bands ein Wörtchen mitzureden. Oft, so Endreß, treffen Label oder Management schon eine Vorauswahl über die Musiker, die als Vorband in Betracht kommen. Am Ende entscheiden dann aber die Künstler selbst, wen genau sie im Vorprogramm haben wollen. Es wird also nicht einfach vorgeschrieben - denn "die Chemie, die künstlerische Chemie, muss stimmen."

Ein Sprungbrett für den Support-Act

Auch das Publikum muss happy mit der Entscheidung sein. Und: Für einen Vor-Act ist der Auftritt eine riesige Chance. Er kann ein Karrieresprungbrett sein.

Künstler oder Künstlerinnen die selbst schon ganze Hallen füllen, würden eher nicht ohne Gage arbeiten, sagt Endreß. Andererseits kann es für noch unbekannte Vor-Acts sogar attraktiv sein, wenn sie dafür zahlen, um vor einem Star zu spielen. "Buy-on" nennt man das.

"Es ist eben ein Business und man profitiert von der Arbeit, die andere Künstler schon geleistet haben, indem sie sich ein Publikum aufgebaut haben."
Alexander Endreß, Studiengangsleiter Musikbusiness an der Popakademie Baden-Württemberg

Manchmal seien es eher Freundschaftspreise, manchmal richtige Summen, die auf den Tisch gelegt werden, meint Endreß. Als kleiner Act kann sich dieser Deal trotzdem lohnen, denn man profitiere dabei von der Arbeit anderer, die sich schon ein eigenes Publikum aufgebaut haben. Wenn es läuft, kommt man bei diesen Fans gut an und kann so Stück für Stück berühmter werden und ein eigenes Publikum gewinnen. Wincent Weiß hat so beispielsweise profitiert, als er mit Unheilig auf Tour war.

Die große Bühne gibt es nicht umsonst

Den großen Auftritt gibt es für unbekannte Künstler also oft nicht umsonst. Und anders läuft es für viele nicht, sagt Endreß. Denn das Internet funktioniere allein kaum noch als Sprungbrett: "Social Media ist auch überholt, aufgrund der schieren Masse." Es gebe einfach so wahnsinnig viel Musik im Netz, dass es schwer sei, da herauszustechen.

"Um aus der Masse herauszustechen, muss man sich das Publikum erspielen."
Alexander Endreß, Studiengangsleiter Musikbusiness an der Popakademie Baden-Württemberg

Viele Bands begannen ihre Karriere als Vorband. Und viele Stars supporten sich gegenseitig bei ihren Konzerten – oder werden später selbst zu Stars: Ariana Grande etwa ist 2013 bei Justin Biebers Tour als Support aufgetreten. Oder Sabrina Carpenter: Sie war 2017 bei Ariane Grandes Tour dabei. Heute füllt sie allein große Stadien.

Shownotes
Vorbands
Wie das Geschäft mit Support-Acts funktioniert
vom 18. September 2026
Moderator: 
Till Haase
Gesprächspartnerin: 
Antonia Scheurer, Deutschlandfunk Nova