Es ist nicht der "Super Tuesday", aber in immerhin sechs US-Bundesstaaten entscheiden die Demokraten über ihren Präsidentschaftskandidaten. Es geht um 352 der insgesamt 3979 Delegierten-Stimmen. Joe Biden baut seinen Abstand zu Bernie Sanders aus und ruft ihn dazu auf, gemeinsam gegen Donald Trump zu kämpfen, so Thilo Kößler, Dlf-Korrespondent in Washington.

Bei den US-Republikanern scheint bei den Vorwahlen zum Kandidaten für das Präsidentschaftsamt alles klar: Donald Trump tritt im November wieder an. Es gibt keine ernsthafte Konkurrenz.

Die Demokraten hingegen stecken mitten drin im Vorwahlkampf. In sechs Bundesstaaten treten der frühere Vize-Präsident Joe Biden und Bernie Sanders gegeneinander an. Gewählt wird in Idaho, Michigan, Mississippi, Missouri, North Dakota und Washington.

Der Favorit heißt jetzt Joe Biden

Bernie Sanders galt zunächst als Favorit und möglicher Herausforderer Donald Trumps, doch seit dem "Super Tuesday" Anfang März hat sich die Situation gedreht. Joe Biden konnte aufholen und seinen Abstand jetzt weiter ausbauen. "Es sieht nach einem überwältigenden Sieg für Joe Biden aus", sagt Thilo Kößler, Dlf-Korrespondent in Washington.

Joe Biden sprach bei einem kurzen Auftritt in Philadelphia zu seinen Anhängern. Es waren nur wenige Unterstützer anwesend, denn auch in den USA greifen Vorsichtsmaßnahmen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen. Joe Biden sagte, dass er nicht nur ein persönliches Comeback erlebe. Sein Stimmengewinn sei ein Comeback der Seele Amerikas.

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Der 77-Jährige zeigte sich siegessicher. Er bedankte sich bei Bernie Sanders und seinen Anhängern für ihren Einsatz, so Thilo Kößler. Außerdem machte Biden deutlich, dass er nun gemeinsam mit seinem Kontrahenten gegen Donald Trump kämpfen will. Sie teilten ein Ziel: nämlich Donald Trump zu schlagen. Bernie Sanders äußerte sich am Wahlabend selbst nicht.

"Für Bernie Sanders muss das eine herbe Enttäuschung sein. Der Abstand zu Joe Biden ist noch einmal größer geworden."
Thilo Kößler, DLF-Korrespondent in Washington

Ob Bernie Sanders nun seine Kandidatur aufgibt, bleibt offen. Bei den Vorwahlen 2016 hatte er bis zuletzt gegen Hillary Clinton gekämpft; Zugleich hatte sich das Establishment der Demokraten gegen ihn gestellt.

Auch bei den aktuellen Vorwahlen hatten sich die Kandidaten harte Auseinandersetzungen geliefert. Ob sich nun die Reihen schließen lassen, ist unklar. Von den Mitbewerbern, die ihre Nominierung bereits zurückgezogen haben, haben sich bereits einige für Joe Biden ausgesprochen. Zum Beispiel Andrew Yang, Pete Buttigieg oder auch Amy Klobuchar. Elizabeth Warren hat nach ihrem Ausscheiden aus dem Vorwahlkampf noch nicht öffentlich gemacht, wen sie unterstützen wird.

"Eigentlich müssten beide Seiten nun vernünftig sein. Die Moderaten und die Progressiven."
Thilo Kößler, Dlf-Korrespondent in Washington

Ob Joe Biden Chancen gegen Donald Trump hat, muss sich zeigen. "Joe Biden ist rhetorisch nicht besonders geschickt. Er ist fahrig und unkonzentriert", sagt Thilo Kößler. "Da braucht es noch eine Menge Training".

Neues Coronavirus breitet sich in den USA aus

Bislang tropften alle Vorwürfe an Donald Trump ab. Ob die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ihm und seiner Regierung schaden könnte, im Hinblick auf die Wahlen, ist noch unklar. "Trump hat gelogen über die Zahl der Infizierten, auch über die Zahl der zur Verfügung stehenden Testinstrumente", sagt Thilo Kößler.

"Das Krisenmanagement ist miserabel."
Thilo Kößler, DLF-Korrespondent in Washington

Auch das marode Sozial- und Gesundheitssystem der USA begünstigen die Ausbreitung des neuen Coronavirus. Denn Millionen von Bürgerinnen und Bürger sind nicht krankenversichert: Sie gehen nicht zum Arzt, um sich im Verdachtsfall testen zu lassen. Die Kosten sind zu hoch. Auch bekommen viele Menschen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Das heißt, sie gehen zur Arbeit, auch wenn sie sich krank fühlen.

Nun soll US-Vizepräsident Mike Pence mit einem Krisenstab gegensteuern.