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Die extreme Rechte bemüht zunehmend christliche Begriffe. Dahinter steckt politisches Kalkül. Das Ziel: Wähler gewinnen. Gleichzeitig bekämpft die Rechte die Kirchen. Vorträge des Theologen Hans-Ulrich Probst und des Politologen Henning Flad.

Das christliche Abendland retten, die christliche-abendländische Kultur Europas schützen – diese und andere Motive schreibt sich die extreme Rechte zunehmend auf die Fahnen. Auch in AfD-Wahlprogrammen finden sich diese Narrative.

"Besonders die sogenannte Neue Rechte versucht seit Jahren, vertraute Begriffe politisch neu aufzuladen."
Hans-Ulrich Probst, Theologe

Gleichzeitig bekämpft die Neue Rechte die christlichen Kirchen und will Ihnen Gelder entziehen. Ein zentraler Punkt dabei ist vor allem, aber bei weitem nicht allein, deren Engagement im Bereich Migration.

Die zwei Kurz-Vorträge in dieser Hörsaal-Folge analysieren den Verweis rechter Player auf das Christentum. Was steckt dahinter? Die beiden Redner sind sich sicher: politische Motive.

Extreme Rechte: Instrumentalisierung christlicher Symbolik

Das Christentum wird demnach instrumentalisiert, um rechte Positionen anschlussfähig zu machen und Menschen zu manipulieren. "Nationalistische Bewegungen haben stets versucht, christliche Traditionen für ihre politischen Ziele zu nutzen", sagt der Theologe Ulrich-Probst, der den ersten Vortrag in dieser Episode hält.

"Das rechte Christentum bietet eine scheinbar einfache, verführerische Antwort auf die Krise des Liberalismus."
Hans-Ulrich Probst, Theologe

Der Verweis auf das Christentum, so erklärt er, solle Legitimation, Mobilisierung und ein Identitätsangebot in Zeiten der Krise des Liberalismus schaffen. In seinem Vortrag beleuchtet er die Taktiken der extremen Rechten bei ihren versuchten Brückenschlägen in christliche Kreise – und auch mögliche Gegenstrategien kirchlicher Akteur*innen.

"Die grundsätzliche biblische Botschaft ist glasklar: Rassismus ist nicht vereinbar mit dem Gebot der Nächstenliebe."
Henning Flad, Politikwissenschaftler

Der Politikwissenschaftler Henning Flad analysiert im zweiten Vortrag dieser Folge, wie zentrale Akteure und Netzwerke innerhalb der Rechten zum Christentum und den Kirchen stehen. Er beobachtet unter anderem: Die neue Rechte greife gezielt auf christliche Begriffe zurück, um islamfeindliche und rassistische Positionen zu stützen.

Rechte Symbolpolitik mit christlichen Werten

Das Christentum würde dabei als kulturelle Ressource verwendet und auf einfache Symbole heruntergebrochen, die politische eingesetzt würden. Für rechte Parteien sei Religion also vor allem ein symbolpolitisches Werkzeug.

Eigentlich aber, so argumentiert Henning Flad, seien christliche Grundwerte und die Ziele der extremen Rechten nicht vereinbar.

Hans-Ulrich Probst ist Theologe und arbeitet im Bereich der Praktischen Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen zur Verbindung von Christentum und Rechtsextremismus. Seinen Vortrag "Das Christentum und die extreme Rechte" hat er am 24. September 2026 im Rahmen der ökumenischen Veranstaltungsreihe "Haltung zeigen" in Bonn gehalten, die von einem breiten Bündnis kirchlicher Organisationen in Kooperation veranstaltet wird.

Henning Flad ist Politikwissenschaftler, Extremismus-Experte und Projektleiter in der Geschäftsstelle der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus. Seinen Vortrag "Die extreme Rechte und die Kirchen – Einfluss, Akteure und Netzwerke in Deutschland" hat er am 28. April 2024 beim Online-Studientag "Gods own Country? Die christlich-radikalen Wurzeln der MAGA-Bewegung" gehalten, die von der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Melanchthon-Akademie Köln organisiert wurde.

Shownotes
Wählerfang
Warum die AfD auf christliche Rhetorik setzt
vom 09. Oktober 2026
Moderation: 
Katrin Ohlendorf
Vortragender: 
Hans-Ulrich Probst, Theologe, Eberhard Karls Universität Tübingen
Vortragender: 
Henning Flad, Politikwissenschaftler, Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus
  • Vortrag Hans-Ulrich Probst: Das Christentum und die extreme Rechte
  • Vortrag Henning Flad: Die extreme Rechte und die Kirchen – Einfluss, Akteure und Netzwerke in Deutschland
Quellen aus der Folge: