Die Beziehung einiger Amerikanern zu ihren Waffen lässt sich nur schwer erklären. Nun hat ein US-Hersteller ein Sturmgewehr mit eingraviertem Bibelpsalm herausgebracht. Angeblich, um islamistische Terroristen davon abzuhalten, dieses Modell zu nutzen. Der Name des Produkts "Crusader“ – "Kreuzritter".

Deutlich sichtbar ist auf dem Sturmgewehr der Psalm 144,1 eingraviert: "Gepriesen sei der Herr, mein Fels, der meine Hände unterweist zum Kampf, meine Finger zum Krieg." Die Sicherung der Waffe lässt sich mit den Einstellungen "Krieg", "Frieden“ oder "Gottes Wille" bedienen. Gegen einen Aufpreis wird das Gewehr auch mit einem eingravierten Kreuz geliefert.

Marketing für Waffen

Das klingt zunächst wie ein makaberer Scherz. "Sie meinen das aber sehr ernst", stellt USA-Korrespondentin Martina Buttler klar. So stammt die Idee von einem Mitarbeiter der Waffenfirma aus Florida, der selbst als Soldat im Irak gekämpft hat. Im Werbefilm auf der Facebookseite des Unternehmens preist er sie an als "eine Waffe, die sicherstellt, dass kein muslimischer Terrorist sie nutzt, um unschuldige Menschen zu töten". Zielgruppe des Produkts sind vor allem Privatpersonen - und auf deren Angst vor muslimischen Attentaten setzt das Unternehmen. Das Interesse am "Crusader", sei enorm, sagt ein Sprecher der Herstellerfirma "Spike's Tactical".

Waffe mit Bibelinschrift
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Ein Davidpsalm aus dem Alten Testament ist über dem Gewehrmagazin eingraviert. Bezeichnenderweise wird das Sturmgewehr unter dem Namen "Crusader", also "Kreuzritter" vertrieben.

Für den Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR) in Florida ist die Kampagne eine Provokation. Auch andere muslimische Verbände in den USA kritisieren diese Art der Waffenvermarktung unter dem "Kreuzritter"-Label. "Ist diese Waffe etwa für christliche Terroristen entworfen worden?", fragte etwa CAIR-Geschäftsführer Hasan Shibly in einem Zeitungsinterview. Am Ende sei es "Geschäftemacherei mit Vorurteilen und Hass gegen eine bestimmte Glaubensrichtung", fasst USA-Korrespondentin Martina Buttler die Kritik zusammen. Konkret richtet sich die Kritik auch gegen das entworfene Bedrohungszenario. So sei an den 205 Mehrfach-Morden 2015 in den USA nur in einem Fall ein Muslim beteiligt gewesen.

"Muslimische Verbände in den USA sind entsetzt"
Martina Buttler, USA-Korrespondentin

Für die kleine Firma ist das Produkt schon jetzt ein PR-Coup. Ob nun eine Waffe jemanden davon abhalten könne zu töten, bleibt indessen eine schwer zu beantwortende Frage. Welchen Einfluss sie auf den Hass der anderen haben könnte, ist allerdings auch eine Frage, die sich zu stellen lohnt.