Auf ihrer Tour – kurz vor der Landtagswahl – trifft Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Tina Howard Menschen aus Sachsen. Diesmal: Die 25-jährige Studentin Melanie Müller, die in Chemnitz lebt. Trotz der Ausschreitungen in der Stadt: Sie will hier nicht weg.

Melanie Müller, kurz Melli, ist 25, studiert Kommunikationswissenschaft und jobbt nebenbei bei einer Modekette. Sie kommt ursprünglich aus Witten in Nordrhein-Westfalen, ihre Großeltern leben aber in Chemnitz. Melli kannte Chemnitz also von Besuchen bei ihren Großeltern und hat sich dann entscheiden, hier zu studieren.

Vor einem Jahr hat sie die Unruhen in der Stadt miterlebt, etwa die Ausschreitungen, als rechtsetxreme Gruppen nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Chemnitz mobilisierten. Es gab Angriffe auf Polizisten, Journalisten, nicht-weiße Menschen. Die Ausschreitungen sorgten deutschlandweit und sogar weltweit für Aufsehen.

"Es war krass, so hab ich‘s wahrgenommen. Vielleicht auch dadurch, dass ich in der Stadt war und gesehen habe: Die können ja wirklich viele mobilisieren, und dieses Mal sind die sogar mehr als wir."
Melli
Melanie Müller in Chemnitz
© Deutschlandfunk Nova | Tina Howard

Melli, deren Mutter von den Philippinen kommt, sagt, dass sie in der Zeit nach den Ausschreitungen, ab und zu die Straßenseite gewechselt hat, wenn ihr eine Gruppe von Männern entgegen kam, die sie verdächtig fand. Es hat eine Weile gedauert, bis die Unruhe in der Stadt sich gelegt hat. Aber es gibt auch heute keine Viertel, wo sie nicht hingehen würde. Und sie fühlt sich auch nicht unsicher. Zurzeit hätte sie keinen Grund, Chemnitz zu verlassen.

"Es sind Sachen passiert, die so Zuhause vielleicht nicht passiert wären. Vielleicht hätte ich mich Zuhause nicht entschieden, ehrenamtlich was zu machen oder mich überhaupt für irgendwas einzusetzen, weil es diese Probleme gar nicht gab. Und ich glaube schon, dass es hier das Beste aus mir rausholt, auch wenn es manchmal vielleicht ein bisschen anstrengend ist."
Melli