Der Wahl-O-Mat gleicht unsere Interessen und Einstellungen mit denen der Parteien ab. Tolles Tool für die Entscheidungsfindung kurz vor der Bundestagswahl, das zwar das bekannteste, aber nicht einzige seiner Art ist. Wir haben die verschiedenen Online-Wahlhelfer ausprobiert.

Mehr als tausend Seiten von Wahlprogrammen durchzuackern, darauf haben die wenigsten von uns Bock. Seitdem vor 19 Jahren der digitale Wahlentscheidungshelfer Wahl-O-Mat ins Leben gerufen wurde, muss das auch niemand mehr tun, der wissen möchte, worum es den Parteien im Kern eigentlich geht.

Allerdings ist das Online-Tool der Bundeszentrale für politische Bildung längst nicht mehr der einzige Wahlentscheidungshelfer. Unser Reporter hat rund ein Dutzend solcher digitalen Hilfs-Tools im Netz gefunden, viele getestet und die Ergebnisse verglichen.

"Als ich die Angebote alle durchgespielt habe, waren die Ergebnisse zumindest vergleichbar und durch die unterschiedlichen Modi der Tools erklärbar."
Stefan Fries, Deutschlandfunk Nova

Die meisten der Angebote funktionieren im Prinzip so wie der Wahl-O-Mat. Wir klicken uns durch Thesen oder Fragen durch und entscheiden uns für eine der Antwortmöglichkeiten.

Parteien werden meist ausdrücklich um Antworten gebeten

Die Thesen werden in der Regel auf Grundlage von Wahl- und Parteiprogrammen formuliert: Die Parteien werden dafür in den meisten Fällen ausdrücklich angefragt und beantworten die Thesen, das gilt zum Beispiel für den Wahl-O-Mat, den Wahlswiper und den Sozial-O-Mat.

Einige Tools basieren allerdings nur auf Analysen der Programme, wodurch sich ein gewisser Interpretationsspielraum durch die Macherinnen und Macher eröffnet, sagt Stefan Fries.

Beim Wahl-O-Mat können wir unsere Einstellungen mit 38 Thesen abgleichen. Beispielsweise: "Auf allen Autobahnen soll ein generelles Tempolimit gelten." Bei DeinWal.de sind es hingegen 20 Fragen. Zum Beispiel: "Soll der Mindestlohn auf mindestens 12 Euro angehoben werden?"

Wahlentscheidungshilfen: Die Themensetzung ist unterschiedlich

Allerdings berücksichtigen die meisten Tools nicht alle Parteien. Das tun nur die größeren wie Wahl-O-Mat, Wahlswiper und Wahl-Kompass.

Einige der Wahlentscheidungshilfen bieten Erläuterungen an, damit die Nutzenden mehr Kontext erhalten. Ein Bonus beim Wahlswiper: Hier gibt es Informationen in mehreren Sprachen, zum Beispiel auch Erklärvideos.

Durch die unterschiedlichen Ansätze schlagen die Online-Tools zum Teil unterschiedliche Parteien vor. Deswegen rät unser Reporter auch dazu, mehrere der digitalen Wahlhelfer auszuprobieren. Insbesondere die größeren Angebote, die mehr Parteien abbilden und mehr Themen abdecken.

"Manche Fragen gibt es zumindest ähnlich bei mehreren Tools, die Themensetzung ist aber insgesamt unterschiedlich."
Stefan Fries, Deutschlandfunk Nova

Die großen Angebote Wahl-O-Mat, Wahlswiper, Wahl-Kompass und Wahltest decken viele Politikfelder ab. Neben den allgemeinen Wahlentscheidungshelfern gibt es auch spezialisierte Angebote.

Den Sozial-O-Mat der Diakonie beispielsweise: Er schaut auf soziale Themen, also Arbeit, Gesundheit, Familie und Migration. Beim Klima-Wahlcheck der Klima-Allianz Deutschland geht es, wie der Name schon nahelegt, um Klimathemen wie Energie und Mobilität.

Wahltraut, die Beraterin für die Bundestagswahl 2021, beschäftigt sich mit der Gleichberechtigung unter anderem von Frauen und der queeren Community.

Auswertung der Tools

In der Regel bekommt man am Ende eine Liste, auf der steht, wie hoch die Übereinstimmung der eigenen Positionen mit denen der Parteien ist, sagt unser Reporter. Bei Stefan Fries waren das für die jeweilige Spitzenpartei Werte zwischen 77 und 93 Prozent.

Der Wahl-Kompass wiederum positioniert unseren Reporter zusätzlich in einem Koordinatensystem. Das ermöglichte ihm in einer zweidimensionalen Matrix zu sehen, in welchem Abstand er sich zu bestimmten Parteien befindet.