Die Politiker wollen gewählt werden und die Wahlbeteiligung sinkt. Vor allem viele junge Wähler haben keine Lust auf den Besuch im Wahllokal. Droht uns eine Rentnerdemokratie?

Die Wahlen der Bürgermeister und Landräte in Nordrhein-Westfalen sind erst seit Kurzem vorbei, da steht schon wieder eine Wahl an: die in Köln, weil Stimmzettel fehlerhaft bedruckt waren. Jetzt also am 18. Oktober 2015. Wahrscheinlich wird aber auch diese Sendung nichts daran ändern, dass Politikwissenschaftler wie Politiker weiterhin über eine stetig sinkende Wahlbeteiligung klagen.

"Wahlen sind bald - die Jugend lässts kalt - Politische Beteiligung im 21. Jahrhundert" hieß eine Veranstaltung dazu auf dem 2. Herrenhäuser Zukunftsdialog. Veranstalter am 1. Juli 2015 war die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Kooperation mit der Volkswagenstiftung und der Landesregierung Niedersachsen.

Eindeutiger Trend zum Nichtwählen

Die Vortragenden waren sich einig, dass die Wahlbeteiligung junger Leute zu wünschen übrig lässt. Die Tendenz sei noch nicht dramatisch, aber eindeutig. Sowohl Politikwissenschaftler Andreas Busch von der Universität Göttingen als auch sein Gegenpart Manfred Schmidt von der Universität Heidelberg stellten diesen Punkt heraus.

"Das bedeutet, dass die Älteren über die Teilnahme an Wahlen eine größere und zunehmende Chance haben, ihre Präferenzen durchzusetzen."

Busch erklärte, dass die Wahlbeteiligung der 21- bis 25-Jährigen zwischen 1983 und 2013 um mehr als ein Viertel geschrumpft sei. Hinzu komme, dass der Anteil der Jüngeren auf Grund der demografischen Entwicklung immer weiter zurückgehe. Am Ende drohe die Rentnerdemokratie.

"Der Demokratie droht in diesem Fall schlicht und einfach die Austrocknung. Dann ist der Kollaps nur noch eine Frage der Zeit."

Schmidt sieht diese Gefahr noch nicht. Man befinde sich zwar am Beginn einer "Fieberkurve", bis zu deren Ende sei es aber noch weit. Dagegen spricht nach seinen Beobachtungen unter anderem auch das sinkende Durchschnittsalter der Kanzler und Minister seit Adenauer und auch das der Bundestagsabgeordneten.

Erziehungswissenschaftlerin Christine Wiezorek von der Justus-Liebig-Universität in Gießen stellte heraus, dass schon die 14- bis 18-Jährigen gesellschaftlich sehr aktiv seien - dies müsse man mehr würdigen. Auch der niedersächische Ministerpräsident Stephan Weil berichtete über sein politisches Interesse als junger Mann. Die Diskussionsleitung hatte die Journalistin Ines Arland (Phoenix) übernommen.

Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderator: Hans-Jürgen Bartsch
  • Diskussionsteilnehmer: Andreas Busch, Universität Göttingen
  • Diskussionsteilnehmer: Manfred Schmidt, Universität Heidelberg
  • Diskussionsteilnehmer: Christine Wiezorek, Universität Gießen
  • Diskussionsteilnehmer: Stephan Weil, Ministerpräsident Niedersachsen