Brandenburg und Sachsen haben gewählt: SPD und CDU bleiben jeweils auf Platz eins. Doch die AfD hat massiv dazugewonnen. In Brandenburg verbuchte sie ein Plus von mehr als 11 Prozentpunkten, in Sachsen sogar mehr als 17. Die Ergebnisse der Landtagswahlen und eine Einschätzung liefern unsere Landeskorrespondenten Vanja Budde und Bastian Brandau.

Die Landtagswahl sei für Brandenburg eine Schicksalswahl gewesen, so Vanja Budde, Dlf-Korrespondentin für Brandenburg: "Viele wollten nicht, dass Brandenburg das erste Bundesland wird, in dem die AfD die stärkste Kraft wird." Das könnte auch die hohe Wahlbeteiligung von 59 Prozent erklären – gut neun Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren.

Brandenburg: Die SPD bleibt stärkste Partei, aber die AfD hat plus 11 Prozent

Die SPD und die Linke verlieren an Stimmen; ihre gemeinsame Regierung wurde abgewählt. Die SPD konnte in den vergangenen Wochen in den Umfragen zwar zulegen. Trotzdem verliert sie 5,7 Prozent der Stimmen und liegt bei 26,2 Prozent. Vor allem die AfD gewinnt bei den Wahlen und zwar um ein Plus von 11 Prozent. Sie ist mit 23,5 Prozent die zweitstärkste Partei im Landtag. Vor den Wahlen hatte die AfD in Umfragen zum Teil auf Platz eins gelegen.

SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke, der auch Spitzenkandidat bei der Wahl war, freute sich zwar über das Ergebnis, aber ein strahlender Sieger war er nicht, so Vanja Budde.

"Dietmar Woidke sah erschöpft und erleichtert aus, aber er war kein strahlender Sieger."
Vanja Budde, Dlf-Korrespondentin für Brandenburg

SPD und Die Linke brauchen einen dritten Koalitionspartner, um erneut die Regierung stellen zu können. Dieser neue Partner werden wohl die Grünen sein. Die Partei legt um 4,6 Prozent zu. Ein gutes Plus, doch konnte sie nicht den Höhenflug hinlegen, der ihr vor den Wahlen in Umfragen prognostiziert wurde. Dennoch: "Ohne die Grünen sehe ich nicht, wie man in Brandenburg regieren will", sagt Vanja Budde.

Das Ergebnis der SPD kann auch am strategischen Verhalten der Wähler und Wählerinnen liegen. Manche wollten die AfD als Gewinner der Wahlen verhindern und wählten SPD statt Die Linke oder die Grünen. Vor allem Die Linke hat verloren: Zehn Prozent weniger als bei den vergangenen Wahlen. Doch die Wähler wanderten nicht allein zur SPD ab, sondern auch zur AfD.

Sachsen: CDU vorne gefolgt von der AfD

Auch in Sachsen wurde ein neuer Landtag gewählt. Die CDU bleibt stärkste Kraft, sie holt 32,1 Prozent. Auch in Sachsen kann die AfD zulegen und holt 27,5 Prozent der Stimmen – ein Plus von 17,8 Prozentpunkten. Sie wird mit Abstand die größte Oppositionspartei im Landtag.

Die AfD zu wählen sei keine reine Prostethaltung mehr, so unser Landeskorrespondent Bastian Brandau. Das zeigten Umfragen: Die Partei habe sich in Sachsen etabliert.

Bastian Brandau, Dlf-Landeskorrespondent für Sachsen
"Der Erfolg der AfD war kein Ausrutscher. Umfragen zeigen, dass die AfD aus Überzeugung gewählt wird."

Gegen das Ergebnis der AfD gab es auch Proteste: In Leipzig, Chemnitz und Dresden gingen einige hundert Menschen spontan auf die Straße, um gegen den Wahlerfolg der AfD zu demonstrieren.

Die SPD rutschte auf knapp 8 Prozent der Stimmen ab, ein Minus von mehr 4 Prozentpunkten. Dennoch wird die SPD vermutlich Partner der neuen Regierung, denn wie in Brandenburg wird es auch in Sachsen auf ein Dreierbündnis hinauslaufen. "Die einzige Konstellation, die im Moment möglich scheint, das ist die Koalition Schwarz-Grün-Rot", sagt Bastian Brandau.

In Sachsen lag die Wahlbeteiligung mit 66 Prozent noch höher als in Brandenburg. Von der hohen Beteiligung habe vor allem die AfD profitiert. "Die AfD hat über 200.000 Stimmen von Nichtwählern erhalten", sagt Bastian Brandau.