Bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen wurde die AfD jeweils zweitstärkste Partei. Nicht allein aus Protest, sondern auch aus Überzeugung wurde die Partei gewählt, wie Umfragen zeigen. Nach der Wahl macht es den Anschein, dass die politischen Gräben eher tiefer werden. Doch was kann helfen, Unverständnis und Hass zu überwinden? Der Journalist und Autor Bastian Berbner ist durch die Welt gereist, um zu schauen, wie Hass überwunden werden kann. Nähe sei ein guter Anfang.

Bastian Berbner ist für sein Buch "Geschichten gegen den Hass" um die Welt gereist, um Menschen zu finden, die sich gehasst haben und heute entweder befreundet sind oder zumindest Verständnis füreinander aufbauen konnten.

Zu seinen Beispielen gehören zwei Rentner in Hamburg, die starke Vorurteile gegenüber Ausländern hatten, vor allem gegenüber Roma. Dann zog eine Roma-Familie nebenan ein und ihr Leben änderte sich. Bastian Berbner beschreibt auch das Verhältnis eines Neonazis und eines Linksradikalen, beide aus Mecklenburg-Vorpommern. Fünf Wochen lang wanderten sie gemeinsam durch eine Wüste in Afrika. Freunde fürs Leben sind die beiden nicht geworden, aber in diesen fünf Wochen sind sie gut miteinander klar gekommen und sie haben sich geholfen.

Nähe und Kontakt sind wichtig

Miteinander reden sei immer gut, so Bastian Berbner. Aber entscheidend sei überhaupt Kontakt zu haben. Man müsse nicht gleich innige Freundschaften aufbauen und die politischen Streitthemen durchkauen. Vielmehr gehe es um Nähe, denn die führe zu gegenseitigem Verständnis. Das zeige die sozialpsychologische Forschung, so Bastian Berbner.

"Nähe zwischen Menschen führt zu Empathie. Es gibt nur wenige Ausnahmen: zum Beispiel Psychopathen."
Bastian Berbner, Journalist und Autor

Es braucht also Nähe, um Verständnis und Empathie füreinander zu entwickeln. Das ist in einer Gesellschaft, die sich polarisiert immer schwieriger.

Der Zivildienst bringt Menschen zusammen

Wie wir in Deutschland über Schichten, Generationen und politische Einstellungen hinweg in Kontakt kommen können, ist deshalb eine wichtige Frage. Bastian Berbner fordert, dass die Politik hier Lösungen erarbeitet.

Eine Möglichkeit sei es, wieder eine Art Zivildienst einzuführen. Solch ein Dienst könne helfen, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen, die sich sonst nie wirklich begegnen würden, um Nähe zu schaffen und letztlich auch Empathie füreinander zu entwickeln.