Beim US-Präsidenten Donald Trump läuft es nicht so gut: In den Umfragen im Wahlkampf liegt er hinter seinem Herausforderer Joe Biden. Für Trump beginnt die heiße Phase.

Am 3. November 2020 wird in den USA gewählt. Dann entscheidet sich, ob Amtsinhaber Trump weitere vier Jahre US-Präsident bleiben soll oder er nach dem Willen der Wahlberechtigten seinem Herausforderer Joe Biden Platz machen muss. Schon Anfang September beginnt die Briefwahl im Bundesstaat North Carolina.

Doch auch wenn Trump derzeit hinter Biden liegt, ist noch alles offen. "Der Biden-Vorsprung ist leicht am Abschmelzen", sagt Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Universität Köln. Derzeit habe der Demokrat Biden in den wichtigen Swing-States, den Staaten, die am Ende über Sieg und Niederlage entscheiden werden, einen Vorsprung von etwa vier Prozent. "Etwa so viel wie Hillary Clinton damals."

Diesen Vorsprung will Trump zunichtemachen. "Erst mal muss Trump alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen und von Biden ablenken", sagt Jäger. Schon seit Wochen twittert der Präsident, dass er die Wahlen gerne verschieben würde, dass das Wahlsystem nicht sicher sei und die Elections 2020 massiv manipuliert werden könnten.

"Wenn bei einem eine wichtige Entscheidung ansteht, versucht der andere noch einen draufzulegen."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Und dann, in der heißen Phase, wird es daran gehen, wie Joe Biden demontiert werden kann. "Die Wahlkampfmanager haben ausgetestet: Was zieht wirklich?", sagt Thomas Jäger. "Ist es gut, wenn Biden als trotteliger Onkel dargestellt wird, der seine Sätze nicht mehr zu Ende bringt?" Oder eher als energieloser Sleepy Joe, der nichts mehr in der Politik bewirken könne. Denn genau das Gegenteil gelte als Stärke von Donald Trump: "Trump tritt immer auf als jemand, der alles weiß."

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So ein Typ sei Biden nicht. Er müsse einen Spagat machen zwischen moderaten Demokraten, die Trump bei der letzten Wahl ins Amt geholfen hätten, und den linken Wählerinnen und Wählern. Darum habe Biden im Moment einen Vorteil und besonders viel Aufmerksamkeit: Es steht gerade die wichtige Entscheidung an, wer seine mögliche Vize-Präsidentin werden soll. "Biden ist kein Linker", so der Politikwissenschaftler. Darum brauche er eine Kandidatin, die links gut ankommt - und idealerweise strotzt vor Energie.

Biden sucht seine Vize-Präsidentin

Dass Bidens Vize eine Frau wird, ist klar, darauf hat er sich bereits festgelegt. Vielleicht könnte es, so wie es Stimmen aus der Black-Lives-Matter-Bewegung fordern, eine afroamerikanische Frau werden.

"Trump will versuchen, einen Keil zwischen Biden und die afroamerikanische Wählerschaft zu treiben", erklärt Thomas Jäher. "Wenn das gelingt, hat Biden ein echtes Problem." Eine entsprechende Kandidatin könnte dem vorbeugen - und Trumps Wahlkampfteam dürfte auch gegen sie Stimmung machen.

"Bei der Corona-Krise gibt es keine alternative Realität."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Wo Trump aber nicht viel sagen kann, ist die Corona-Krise, die die USA besonders hart trifft: Es gibt mehr als fünf Millionen bestätigte Corona-Infektionen und damit einhergeht eine hohe Arbeitslosigkeit. Corona ist das Problem, das Trump überhaupt nicht lösen konnte. "Da gibt es auch keine alternative Realität", sagt Thomas Jäger. "Wer betroffen ist, ist betroffen, da kann Trump nichts zu sagen."


Lediglich die Arbeitslosigkeit versuche Trump wegzureden: Bald gebe es wieder einen Aufschwung. Es könnte entscheidend sein, ob dieser Aufschwung bis zur Wahl am 3. November da ist.