Fans von Donald Trump drohen offen mit Gewalt, er selbst schürt Verunsicherung. Viele Amerikaner haben Angst, ihre Demokratie zu verlieren. Eine US-Wahl unter diesen Umständen habe sie sich bisher nicht vorstellen können, sagt die Politologin Cathryn Clüver Ashbrook.

Gut möglich, dass am 03.11.2020 der Sieger der US-Präsidentschaftswahl noch nicht feststeht. Donald Trump wolle aber unbedingt am gleichen Tag den eigenen Wahlsieg ausrufen, sagt die Politologin Cathryn Clüver Ashbrook und zwar nur auf Grundlage der am Wahltag abgegeben Stimmen.

Das sei zu früh: Sie rechnet bei einem regelkonformen Verlauf der Wahl und der Auszählung mit einem belastbaren Wahlergebnis bis Ende dieser Woche, also bis zum 06.11.2020, spätestens aber zum 09.11.2020. (Stand 02.11.2020)

"Wenn gezählt werden darf, wie geplant, werden wir es bis spätestens Ende der Woche oder vielleicht Anfang der nächsten Woche wissen, wie die eigentliche Lage der Wahlzettel ist."

Der Präsident versuche, die per Briefwahl abgegebenen Stimmen, zu diskreditieren. In hunderten Verfahren stehen sich US-Demokraten und US-Republikaner vor Gericht gegenüber. Die Zahl der Verfahren ist vermutlich bereits vor der Wahl so hoch wie nie zuvor, berichtet NPR.

Streit um Briefwahl

Wohl auch wegen der Covid-19-Pandemie haben bereits jetzt mehr Menschen in den USA bereits abgestimmt, als je zuvor Gut drei Viertel der Stimmberechtigen lagen vor dem Wahltermin die Briefwahlunterlagen schon vor.

"Die Zahl der Briefwahlstimmen ist so hoch wie nie. In Texas sind so viele Wahlzettel vor der Wahl abgegeben worden wie in der ganzen Wahl 2016 nicht."

Die Politologin beschreibt eine Reihe von Ereignissen, die die Stimmung vor der Wahl aufgeheizt haben und beide Lager, Republikaner und Demokraten, gegeneinander aufgebracht haben:

  • Autos mit Trump-Anhängern hatten in Texas versucht, den Bus des Gegenkandidaten Joe Biden von der Straße zu drängen.
  • In New Jersey und Ney York hatten Trump-Anhänger Brücken besetzt.
  • Der Großhandelskonzern Walmart hat beschlossen, Waffen und Munition wieder auf seinen Verkaufsflächen zu präsentieren und anzubieten, nachdem das Unternehmen zunächst geplant hatte, diese Produkte nicht mehr so leicht zugänglich anzupreisen.

In Sorge um die Demokratie

Donald Trump lasse nichts unversucht, um seine Wählerschaft weiter anzustacheln. Von einer Vielzahl der Bürgerinnen und Bürger in den USA werde diese Entwicklung mit Sorge beobachtet, sagt Cathryn Clüver Ashbrook. Sie weist auf eine Umfrage hin, der zufolge sich gut die Hälfte der Amerikanerinnen und Amerikaner Sorgen um die demokratische Verfasstheit ihres Landes machen. Sie selbst habe sich eine solche Situation nie vorstellen können.

"54 Prozent der Amerikaner haben in einer Umfrage gesagt: Sie haben Angst um ihre Demokratie."