Die meisten Tiere fürchten das Feuer. Bei Waldbränden kommt es zu großen Verlusten in der Tierwelt, denn nicht alle Tiere schaffen es schnell und rechtzeitig vor der Feuerwalze zu fliehen. Aber, es gibt einige Tierarten, für die ist Feuer überlebenswichtig, andere sind in der Lage selbst Feuer zu legen und es zu nutzen. Welche Tiere das sind, und warum sie das tun, hat unser Tierexperte Mario Ludwig recherchiert.

Der australische Feuerkäfer (Merimna atrata) ist zum Beispiel feueraffin, ein rund zwei Zentimeter großer Käfer, der auf Eukalyptusbäumen lebt. Für den Feuerkäfer sind Waldbrände geradezu überlebensnotwendig, denn die Larven dieser Käferart entwickeln sich nur in frisch verbranntem Holz. In "normalen", also vom Feuer nicht vorgeschädigten Bäumen, ist eine Entwicklung für die Larven nicht möglich, denn das reichlich vorhandene Baumharz würde sie abtöten.

"Die Larven der zu den Prachtkäfern zählenden Käferart, entwickeln sich nur in frisch verbranntem Holz."
Mario Ludwig, Biologe und Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Wissenschaftler der Universität Bonn haben herausgefunden, dass die Käfer durch spezielle Wärmesensoren in ihrem Panzer Waldbrände auf eine Entfernung von über 60 Kilometern orten können. Die zwei Wärmestrahlungs-Sensoren an jeder Seite des Hinterleibs sind nicht mal einen Millimeter groß und in der Lage, Infrarot-Strahlung zu absorbieren. Dadurch erwärmen sie sich: Die Temperaturveränderung wird im Sensor dann wiederum von Nervenenden aufgenommen und in elektrische Impulse umgewandelt. Die Forscher vermuten, dass der Käfer mit seinen äußerst sensiblen Wärmesensoren sogar noch Temperaturunterschiede von wenigen hundertstel Grad wahrnehmen kann.

Störche in der Savanne haben sich auf vom Rauch betäubte Insekten spezialisiert

Auch einige Vogelarten suchen die Nähe zum Feuer, erklärt Mario Ludwig. Zum Beispiel bei Wald- oder Savannenbränden. Die Brände sorgen für sie für einen üppig gedeckten Tisch. So haben sich in Afrika bei Savannenbränden Störche auf das Erbeuten von Insekten spezialisiert, die durch den Rauch betäubt wurden. Raubvögel, wie Adler, Habichte oder Falken kreisen hoch über der Feuersbrunst, um nach vom Feuer aufgescheuchtem, flüchtenden Tieren Ausschau zu halten. Sie sind nämlich eine leichte Beute für sie.

"Waldbrände sorgen nämlich oft für sie für einen üppig gedeckten Tisch."
Mario Ludwig, Biologe und Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Noch einen ganzen Schritt weiter gehen – so die Beobachtungen von australischen Wildhütern, Feuerwehrleuten und Aborigines, die der australische Vogelexperte Bob Gosford zusammengetragen hat – zwei australische Greifvogelarten: der Schwarzmilan und der Habichtfalke. Beide Arten suchen nämlich nicht anscheinend nur die Nähe zum Feuer, um leicht die durch die Flammen aufgescheuchten Kleinsäuger und Reptilien zu erbeuten, sondern sind offenbar sogar notorische Brandstifter. Beide Vogelarten sind nämlich schon mehrfach dabei beobachtet worden, wie sie brennende Zweige mit dem Schnabel gepackt haben und dann in weiterer Entfernung in der Nähe von trockenen Pflanzen wieder fallen ließen.

Wenn Vögel Feuer legen

Aus der Sicht der Vögel macht diese Brandstiftung durchaus Sinn – finden Wissenschaftler. In Australien locken Buschbrände zum Teil eine derart große Anzahl von Raubvögeln an, sodass sie regelrecht um die vor dem Feuer fliehenden Beutetiere kämpfen müssen. Eine Erweiterung der Brandgebiete durch gezieltes Feuerlegen sorgt dafür, dass man selbst leichter zum Zug kommt. Allerdings: So ganz 100-prozentig wissenschaftlich belegt ist das bisher noch nicht, es gibt aber Beobachtungen, die das nahelegen.

Es gibt auch ein Tier, das selber Feuer machen kann: Kanzi. Kanzi ist ein 37 Jahre alter Bonobo, ein sogenannter Zwergschimpanse, der in einem speziellen Tierheim im US-Bundesstaat Iowa lebt und als eines der klügsten Tiere der Welt gilt. Zum Feuermachen sammelt Kanzi zunächst einige Äste. Anschließend zerbricht er die Zweige in kleine Stücke, um sie dann sorgfältig zu einem kleinen Haufen aufzuschichten. Und dann muss der kluge Bonobo nur noch mithilfe von Streichhölzern ein Lagerfeuer entfachen, um sich gemütlich an einem Stecken einige Marshmallows zu grillen. Warm isst Kanzi seine Marshmallows am liebsten. Der Affe weiß übrigens nicht nur, wie man ein Feuer entfacht, sondern er verfügt offenbar auch über ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken. Nach der Mahlzeit löscht er die Flammen stets sorgfältig mit einer Flasche Wasser.

"Kanzi ist übrigens nicht wirklich auf die Kunst des Feuermachens angewiesen, wenn es ihn nach einer warmen Mahlzeit gelüstet."
Mario Ludwig, Biologe und Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Kanzi war bereits in seiner frühen Jugend vom Feuer fasziniert. Seine Begeisterung begann, als er noch als einjähriges Baby erstmals den Film "Am Anfang war das Feuer" schaute. Dieser französische Film, aus dem Jahr 1981, handelt davon, wie Frühmenschen in der Steinzeit die Kunst des Feuermachens und Feuernutzen entdecken. Nach Angaben seiner Betreuer hat Kanzi "Am Anfang war das Feuer" mehrere hundert Mal mit größtem Enthusiasmus geschaut. Und zwar offensichtlich solange, bis er selbst in der Lage war, ein Feuer zu entfachen. Kanzi muss allerdings nicht für jede Mahlzeit Feuer machen. Der clevere Primat hat nämlich mittlerweile auch gelernt, Lebensmittel aus einem Verkaufsautomaten zu ziehen und sie anschließend in einem Mikrowellenherd zu erwärmen. Das ist deutlich bequemer.