Es war kein schönes Wochenende für alle, die mit der Bahn unterwegs waren. 15.000 Lokführer streiken - Millionen Menschen leiden darunter. Und das in der Ferienzeit. Für den Wirtschaftsethiker Christoph Lütge ist die Sache klar: Der aktuelle Streik ist moralisch nicht in Ordnung.

Manchmal sind Streiks unvermeidlich. Und dann ist es auch eine Zeit lang in Ordnung, dass die Mehrheit leiden muss, weil eine Minderheit ihre Arbeitsbedingungen verbessern will. So sieht das auch der Wirtschaftsethiker und Philosoph Christoph Lütge von der TU München. Das Streikrecht ist allerdings ein sehr hohes Gut, mit dem die Streikenden verantwortlich umgehen müssen. Und genau hier liegt für Christoph Lütge das Problem: Weil der Arbeitskampf mitten in die Ferienzeit gefallen ist, sei eine Grenze überschritten worden.

"Das Streikrecht ist ein hohes Gut, mit dem man verantwortungsvoll umgehen muss."
Christoph Lütge, Wirtschaftsethiker und Philosoph an der TU München

Zulässig ist der Streik für Christoph Lütge dann, wenn die Gesundheit der Beschäftigten der Bahn wegen ihrer Arbeitsbedingungen in Gefahr ist - etwa weil sie ständig übermüdet sind. Genau das sei in Deutschland aber schon jetzt gesetzlich geregelt.

Beim aktuellen Streik geht es um etwas anderes: ein Machtpoker, der auf dem Rücken der Reisenden ausgetragen wird, sagt Christoph Lütge. Dazu kommt: Das Streikrecht hat seine Grenzen. So ist zum Beispiel ein Generalstreik verboten. Im aktuellen Fall ist sich Christoph Lütge sicher: Das Streikrecht wird zu weit ausgereizt. Darum sei jetzt der Gesetzgeber gefragt: Er müsse Bremsen einbauen, um zu verhindern, dass Kunden in Geiselhaft genommen werden.