Chinesen lieben Europa als Urlaubsziel, und auch Deutschland wird immer beliebter. Weil hier alles sauber ist und wir Autobahnen haben. Wenn da nur nicht die Sache mit dem Essen wäre.

"Deutschland? Für Chinesen ist das Europa für Fortgeschrittene", sagt Xifan Yang, die eine chinesische Reisegruppe begleitet hat. Wer aus China zum ersten Mal nach Europa fliegt, buche in der Regel das Klassiker-Paket: Italien, Frankreich, Schweiz - kompakt in zehn Tagen. Bei Deutschland denken Chinesen als erstes an Strenge, Bürokratie und Autos - als Reiseziel also nicht ganz so interessant für Europaneulinge.

Tausende Euro für Koffer und Kochgeschirr

Bevor es auf Europatour geht, müssen Chinesen einige Hürden meistern. Vor allem die Visavergabe ist wahnsinnig kompliziert. Wer reisen will, muss viel Geld vorweisen und auf seinem Konto einfrieren lassen. Auch deshalb sind die meisten Chinesen, die nach Europa reisen, ziemlich reich und geben das Geld auch aus. In Xifans Reisegruppe hat jeder Reisende im Schnitt für 5000 Euro geshoppt. Ganz oben auf der Einkaufsliste: Koffer, Handtaschen und Kochgeschirr.

Um Erholung geht es den Chinesen im Urlaub nicht, erzählt Xifan Yang. Die Gäste arbeiteten sehr ehrgeizig ein Programm ab - wie auf der Arbeit. Der Tagesablauf einer chinesischen Reisegruppe:

  • Um 7 Uhr Wake-up-Call im Hotel
  • Abfahrt um 8 Uhr
  • Zwei bis drei Programmpunkte pro Tag
  • Um 20 Uhr sind alle zurück im Hotel

Da die Hotels ziemlich günstig sein müssen, liegen sie meist in den Vororten. Für die chinesischen Urlauber heißt das: Selbst wenn sie abends noch einmal auf eigene Faust deutsches Nachleben erkunden wollten, klappt das logistisch nicht. Das Klischee, dass Chinesen nur in der Gruppe reisen, stimmt übrigens nicht. Wer zwischen 20 und 30 ist, zieht eher alleine los.

In Xifans Reisegruppe waren fast alle Reisende von Deutschland begeistert. Weil es so sauber ist, die Leute angenehm seien - und auch die Autobahnen sorgten für Begeisterungsstürme. Also alles toll in Deutschland? Nein, Chinesen vermissen offenes WLAN. Und dann ist da noch die Sache mit dem Essen, sagt Xifan Yang. Wobei man wissen muss: Chinesische Reisegruppen speisen vor allem in sogenannten Chinarestaurants. Und was sie dort vorgesetzt bekommen, hat nichts mit dem Essen in ihrer Heimat zu tun.