Neue Zeiten: Eine deutsche Produktion läuft im US-Fernsehen - lange bevor sie in Deutschland zu sehen ist

Ein DDR-Soldat wird in den Westen geschickt, um die Bundeswehr auszuspionieren. Darum geht es in der Serie "Deutschland 83", die gerade für viel Aufsehen sorgt. Weil es eine deutsche Produktion ist, die zuerst in den USA ausgestrahlt wird, bevor sie irgendwann auf RTL zu sehen ist. Das Verdienst der Produktionsfirma Ufa, die den US-Start ganz massiv vorangetrieben hat, erklärt Christian Junklewitz von Serienjunkies.de. Um zu zeigen, dass so etwas möglich ist. Und auch als Ansage, was geht, wenn man deutsche Produzenten einfach mal machen lässt.

Zersplitterter Fernsehmarkt

Wer diese Entwicklung verstehen will, muss sich aber auch den US-Fernsehmarkt genauer ansehen. Der splittert immer weiter auf. Ständig kommen neue Sender und Onlineplattformen dazu. Und die müssen ein eigenes Profil entwickeln. Sundance, der Sender, der "Deutschland 83" ausstrahlt, hat sich auf ausländische Serien spezialisiert. Und die zeigt der Sender im Original mit Untertiteln. Vor "Deutschland 83" lief auf dem Sender zum Beispiel ziemlich erfolgreich die französische Serie "Les Revenants". Sundance hat sich eher auf Arthouse spezialisiert. Christian Junklewitz vergleicht ihn mit dem deutsch-französischen Sender Arte, der auch schon Sundance-Eigeneproduktionen wie "Rectify" und "Top of the Lake" ausgestrahlt hat.

Christian Junklewitz hat die ersten beiden Folgen von "Deutschland 83" schon gesehen und ist ziemlich angetan. Anfängliche Skepsis legte sich bei ihm spätestens nach der zweiten Folge. Jetzt ist er enttäuscht, weil auf der Berlinale eben nur diese ersten beiden Folgen gezeigt wurden. Wenn er zwischenzeitlich nicht in die USA reist, muss Christian wie alle anderen deutschen Serienfans bis Herbst warten. Dann will RTL die Exportserie auf deutsche Bildschirme bringen.

Bleibt die Frage aller Fragen: Ist "Deutschland 83" jetzt die Wende auf dem deutschen Serienmarkt? Es ist auf jeden Fall ein sehr guter Anfang, sagt Christian Junklewitz. Und mit dem Schritt über den Atlantik ist auch eine Tür aufgegangen, die bisher für deutsche Produktionen vernagelt und verbarrikadiert gewesen ist. Wenn deutsche Produzenten die New-York-Times aufschlagen und eine euphorische Rezension von Deutschland 83 lesen, dann verändert das etwas, glaubt Christian Junklewitz.