Lawblogger Udo Vetter legt sich fest - eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht sorgt nicht für mehr Sicherheit bei verantwortungsvollen Berufen wie Piloten. Wer das fordert, könne sogar das Gegenteil bewirken.

Der Absturz der Germanwings-Maschine - für einige Politiker ist das eine gute Gelegenheit, um neue Forderungen zu stellen: So will der CDU-Politiker Dirk Fischer, dass Piloten künftig zu Ärzten gehen, die der Arbeitgeber vorgibt. Und dessen Kollege Thomas Jarzombek fordert, die ärztliche Schweigepflicht bei Piloten und Berufen wie Zugführern oder Fernbus-Fahrern zu prüfen. All das soll für mehr Sicherheit sorgen.

Regelmäßig zum Amtsarzt

Klar ist - dieses Thema wird unter Juristen heiß diskutiert, sagt Rechtsanwalt und Lawblogger Udo Vetter. Auch in seinem Berufsstand mache der Absturz nachdenklich. Aber auch die politischen Reflexe seien absehbar gewesen. Der Verdacht liegt nahe: Viele Politiker wollen Aufmerksamkeit erheischen, so Udo Vetter. Dabei dürfe nicht vergessen werden - Gesetze sind über viele Hundert Jahre als Schutzgesetze für den Bürger erkämpft worden.

Schon jetzt ist für Piloten in regelmäßigen Abständen eine Tauglichkeitsprüfung durch eine Art Amtsarzt vorgeschrieben. Wenn der Haus- oder Facharzt allerdings verpflichtet werden soll, Informationen über seinen Patienten herauszugeben, hat das eine ganz andere Dimension. Udo Vetter geht das in jedem Fall zu weit. Auch die gesetzlichen Regelungen zur Schweigepflicht sind klar. Sie beschränken sich auf einzelne Berufsgruppen wie Ärzte, Rechtsanwälte, Seelsorger oder Drogenberater.

Bleibt die Frage, was eine Lockerung der Schweigepflicht bringen würde? Vor allem, dass jeder Arbeitnehmer Angst vor einem Arztbesuch haben müsste, so Udo Vetter. Es besteht dann die Gefahr, dass Arbeitnehmer lieber nicht zum Doktor gehen, weil sie um ihren Job fürchten. Udo Vetter rechnet ohne ärztliche Schweigepflicht daher mit dem gegenteiligen Effekt: noch viel mehr unentdeckte Problemfälle.