In Koblenz und Mainz patrouillieren bald Polizisten mit Bodycams. Damit können sie mit einem Knopfdruck Videos von ihren Einsätzen machen. Die Polizei ist glücklich, weil die neue Technik für mehr Sicherheit sorgen soll. Datenschützer sind weniger begeistert.

Rheinland-Pfalz rüstet auf - in Koblenz und Mainz gehen Polizisten bald mit Kameras auf Streife. Ganz billig ist die neue Videowelt nicht. Für Bodycam mit passender Weste, Fernbedienung und Speicher werden zwischen 1500 und 2000 Euro fällig. In Hessen filmt die Polizei schon seit zwei Jahren. Anfangs waren es nur ein Dutzend Beamte auf der Einkaufsmeile Zeil und im Kneipenviertel Altsachsenhausen. Mittlerweile sind in ganz Hessen über 70 Bodycams im Einsatz.

Kamera auf der Schulter

Die Bodycam sitzt dabei auf der Schulter des Polizeibeamten und ist so groß wie ein Zeigefinger. Bei jedem Bodycam-Einsatz sind die Polizisten mindestens zu dritt. Wenn zwei Beamte einen Passanten kontrollieren und der zu pöbeln anfängt, macht der Dritte im Bunde eine kurze Ansage und startet dann die Aufnahme. Die Frankfurter Polizei ist von den Bodycams begeistert, weil sich die technische Aufrüstung in der Kriminalstatistik niederschlage. Wer damit rechnen muss, gefilmt zu werden, reagiert deutlich seltener aggressiv, hat sie unserer Reporterin Dena Kelishadi erzählt. 2014 ist der Widerstand gegen die Polizei um 19 Fälle gefallen. Dazu kommt: Das Videomaterial kann auch vor Gericht als Beweis verwendet werden.

"Die Gegner der Bodycams sagen, wer gewalttätig wird, der handelt impulsartig und dem seien in dem Moment Aufnahmen egal."
Dena Kelishadi, DRadio Wissen

Allerdings gibt es auch einige Stimmen, die nicht in die Jubelarien der Polizei einstimmen. Abschreckung und Überwachung sei generell der falsche Weg. Und dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar stört noch etwas ganz anderes: Die Videos würden zwar verschlüsselt und auf einem PC ohne Internetanschluss gespeichert - und damit relativ gut vor Hackerangriffen geschützt. Allerdings darf die Polizei schon nach vier Tagen eigenständig entscheiden, ob eine Aufnahme gelöscht wird oder nicht. Kasper will das ändern. Wenn die Aufnahmen länger gespeichert würden, könnten Bürger vor Gericht die Aufnahmen auch zu ihren Gunsten nutzen.