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Für nepalesische Verhältnisse verdienen Sherpas gutes Geld. Allerdings sind sie bei ihrer gefährlichen Arbeit kaum abgesichert. Nach einem tödlichen Lawinenunfall drohen sie jetzt mit Streik.

Es ist ein gefährlicher Job: Vergangene Woche sind 13 Sherpas von einer Lawine am Mount Everest in den Tod gerissen worden. Jetzt drohen sie mit Streik und sind dabei in einer ziemlich guten Verhandlungsposition. Der Grund: Ohne die erfahrenen Bergführer geht am Dach der Welt gar nichts. Dazu kommt: Anfang Mai ist Hochsaison für Gipfelstürmer im Himalaja.

Die wichtigste Aufgabe der Sherpas: Die Bergführer suchen die perfekte Route durch den gefährlichen Khumbu-Eisbruch und sicheren sie mit Leitern und Fixseilen, erzählt der Sportjournalist Stefan Nestler. Diese Fixseile verlegen die Bergführer bis zum Gipfel. Zahlende Bergsteiger können sich dann in diese Hilfestellungen einklinken.

"Ohne Hilfe der Sherpas ist der Aufstieg für 90 bis 95 Prozent der Bergsteiger unmöglich."
Sportjournalist Stefan Nestler über die Sherpas am Mount Everest

Stefan Nestler vergleicht die Situation am Mount Everest mit einem Krankenhaus. Wenn alle Oberärzte, Krankenschwestern und Pfleger die Arbeit einstellten, funktioniere das System nicht mehr. Der Mount Everest, ein mittelständisches Unternehmen. 300 Kunden - die westlichen Bergsteiger - stehen über 400 Sherpas gegenüber.

Grundsätzlich verdienten die Sherpas nicht schlecht: 5000 Dollar kassieren sie im Jahr. Der jährliche Durchschnittslohn liegt in Nepal bei 692 Dollar. Die Sherpas hätten es in der Khumbu-Region um den Everest zu bescheidenem Wohlstand gebracht, erzählt Stefan Nestler. Auf der anderen Seite zeigt er aber auch Verständnis für den Streik. Der Grund: Der Großteil des Geldes, das am Everest umgesetzt werde, bleibe nicht in Nepal, sondern wandere in die Taschen der westlichen Expeditionsanbieter. Ein weiteres Problem: Sherpas sind kaum abgesichert. Im Todesfall würden bislang nur Versicherungssummen von 10.000 Dollar ausgezahlt.

Die Anzeichen für einen Streik verdichten sich

Die Anzeichen verdichteten sich, dass es wirklich zu einem Streik komme, sagt der Sportjournalist. Vier Veranstalter hätten schon ihre Expeditionen abgesagt, darunter auch der größte Player IMG. Es spreche also einiges dafür, dass die Saison auf der nepalesischen Seite des Everest gelaufen sei. Auf der tibetischen Nordseite schleppten sich die Expeditionsteams dagegen wie gewohnt den Berg hinauf.