Habt ihr auch schon eure CD-Sammlung vertickt oder verschenkt? Japaner haben für so was kein Verständnis.

Bei den meisten von uns ist es wahrscheinlich wohl schon eine Weile her, dass wir uns eine CD gekauft haben. Denn 2016 geht das ja alles viel einfacher. Rechner an, ein paar Klicks und schon wird das neue Album geladen oder gestreamt. So sieht das weltweit aus - nur in Japan wird die Silberscheibe weiter verehrt.

Etwas seltsam, denn Japan gilt ja als Hightech-Land. Dazu kommt: Japaner sind sehr musikverliebt. Sie geben in der Summe etwa genauso viel für Musik aus wie US-Amerikaner, haben aber viel weniger Einwohner. Deswegen versuchen viele Firmen natürlich, diesen Markt zu erobern. 2014 haben die Japaner über 80 Prozent ihrer Musik auf CD gekauft. Eine Zahl, bei der Musikmanager in Europa oder den USA feuchte Augen bekommen.

Ein paar Erklärungen: In Japan gibt es eine sehr große Liebe zu haptischen Dingen - also allem, dass man sammeln, lieben und ausstellen kann. Außerdem tun sich Japaner sehr schwer damit, online zu bezahlen. Und dann ist da noch die Preisbindung, die vergleichbar mit unseren Reglungen bei Büchern ist. Neue CDs kosten in Japan mindestens 20 US-Dollar. Dafür lässt sich die Musikindustrie auch einiges einfallen und vermarktet die CDs auch clever.

"Viele Unternehmen versuchen auf dem japanischen Markt Fuß zu fassen, weil er so lukrativ ist."
Tina Kießling

Es gibt zum Beispiel die Band AKB48, die aus gefühlt 100 Mitgliedern besteht. Wer eine CD dieser gecasteten Mädchenband kauft, bekommt dazu zum Beispiel ein Ticket für ein Konzert oder eine Stimmkarte, mit der er über neue Mitglieder abstimmen kann. Also im Paket mit der CD. Es ist übrigens auch nicht ungewöhnlich, dass japanische Fans das gleiche Album in verschiedenen Versionen kaufen.

Die Musikindustrie in Japan versucht mit allen Mitteln, die großen Player aus dem Ausland rauszuhalten. iTunes ist in Japan zum Beispiel erst 2005 an den Start gegangen. Und es hat noch einmal sieben Jahre gedauert, bis Sony Music Japan seine Musik per iTunes hat verkaufen lassen. Das liegt auch daran, dass der japanische Musikmarkt sehr zersplittert ist: Die Majorlabel beherrschen nur rund 30 Prozent des Marktes, den Rest teilen sich kleine Labels. Und das heißt: sehr viele Verhandlungspartner. Spotify versucht zum Beispiel schon seit mehreren Jahren, in Japan Fuß zu fassen.

Player aus dem Ausland raushalten

Zwar gehen auch in Japan die Verkaufszahlen zurück, aber die Labels verdienen immer noch genug mit ihren CDs. Apple hat seinen Streamingdienst jetzt an den Start gebracht und auch Spotify sucht offenbar gerade in Japan nach Mitarbeitern. Zurzeit versucht es außerdem noch Line mit einem Musikdienst - so etwas wie das japanische Facebook.