Die Welt macht es, die Rhein-Zeitung und jetzt auch die FAZ - sie verlangen Geld für Journalismus im Netz. Und das ist auch gut so.

Welt Online bietet ein Abo-Modell, also monatlich bezahlen, um die ausführlichsten Artikel lesen zu dürfen. Süddeutsche Online macht das ähnlich, bei Spiegel Online müsst ihr ausgewählte Artikel einzeln bezahlen. Nun kommt die Frankfurter Allgemeine dazu, oder genauer das Online-Angebot faz.net - auch da sind zukünftig ausgewählte Artikel kostenpflichtig.

Es spricht also einiges dafür, dass es sich langsam etabliert, im Netz für Artikel zu zahlen. Das bestätigen auch die Zahlen: Laut Bundesverband der Zeitungsverleger gibt es knapp 700 deutschsprachige Zeitungswebsites, davon 122 mit irgendeiner Form von Bezahlmodell. Mehr als jede sechste Zeitungswebsite lässt sich für die angebotenen Inhalte also inzwischen irgendwie bezahlen.

Dabei gibt es unterschiedliche Ausführungen. Die taz bittet auf der Website darum, freiwillig für das Lesen eines Artikels zu bezahlen. Den Hinweis kann man aber auch einfach wegklicken. Und bei der Rhein-Zeitung geht ohne Bezahlen eines einzelnen Artikels oder den Abschluss eines Abos gar nichts.

Dabei haben wir unser ganzes Netzleben lang gelernt: Journalismus kostet nichts. Und tatsächlich hat das ja auch eine ganze Zeit lang funktioniert. Dann haben die Verlage gemerkt: Das mit der Werbefinanzierung ist schwierig, eigentlich müssten sich die Leser im Netz an den Recherchekosten beteiligen. Nur hat sich lange Zeit niemand getraut. Das ist inzwischen anders. Der Hinweis "Liebe Leser, diese Inhalte sind kostenpflichtig" ist heute kein Aufreger mehr.

Das mit der Werbefinanzierung ist schwierig

Eine gute Entwicklung, sagt unser Netzreporter Konstantin Zurawski. Weil Journalismus ohne Geld nicht funktioniere. Und wenn die Einnahmen über Werbung und die Abos wegbrechen, dann müssen sie eben woanders herkommen.

Und selbst wenn durch den Einsatz von Computern, das Zusammenstellen von Nachrichten immer billiger wird, wenn Informationen generiert werden sollen, die es vorher nicht gab, dann kostet das. Recherche, Analyse, Interpretation oder Informationen in Kontext setzen - das schafft auch heute noch kein Programm. All das braucht Arbeitskraft, und die kostet Geld.

Die Bilanz einiger Bezahlmodelle

  • Die Londoner Times hat vor ein paar Jahren auf ein Bezahlmodell umgestellt, dann massiv an Lesern verloren, hat aber drei Jahre nach der Umstellung erstmals seit langer Zeit wieder Gewinn gemacht.
  • Die Rhein-Zeitung in Rheinland-Pfalz hat rund 40.000 registrierte User auf der Website. Nicht schlecht, bei einer verkauften Auflage von 180.000.
  • Die britische Wochenzeitung The Economist hat eine Gesamtauflage von rund 1,6 Millionen, davon sind 250.000 Digitalabonnenten.
  • Die New York Times meldet eine Million Digitalabonnenten.

Das alles klingt nach Erfolg, darf aber nicht überbewertet werden. Mit den Abos allein könnten die Zeitungen bei Weitem noch nicht ihren Betrieb aufrechterhalten. Aber es zeigt: Bezahlmodelle im Netz funktionieren generell, auch wenn da noch viel ausprobiert wird und wenn noch viele User lernen müssen, dass es normal wird, für journalistische Inhalte zu bezahlen.