Birgit Meinecke ist Lehrerin in Köln. In ihrer Freizeit kümmert sie sich um Flüchtlinge, die im Vorderhaus eines Hotels untergebracht sind. Die Geschichten ihrer Schützlinge erzählen von Flucht, Gewalt und schmerzlichen Verlusten.

Seit November 2014 leben 89 Flüchtlinge im Vorderhaus des Hotel Mado im Kölner Studentenviertel "Kwartier Latäng". Damit sie Anschluss finden können in einer ihnen völlig fremden Welt, hat sich die Bürgerinitiative "Willkommen in der Moselstraße" gebildet. Hier haben sich die Anwohner der Moselstraße zusammengeschlossen, um den Flüchtlingen zu helfen, ihren Alltag zu meistern. Eine davon ist die Kölner Lehrerin Birgit Meinecke.

Obwohl sie neben Deutsch und Englisch auch ein bisschen Französisch und Italienisch spricht, ist die Verständigung mit den Flüchtlingen nicht so einfach. Denn die kommen zum Beispiel aus Afghanistan, Eritrea und Somalia und sprechen selbst oft nur gebrochen Fremdsprachen wie Englisch oder Französisch. Aber die ehrenamtlichen Helfer tun ihr bestes, begleiten die Flüchtlinge auf die Ämter oder zum Arzt. Auch wenn die eigene Freizeit knapp ist:

"Wenn ich sehe, dass hier ein Mädel sitzt, die schwanger ist und noch ein kleines Kind hat, dann entwickelt man eine persönliche Beziehung."
Birgit Meinecke ist Lehrerin und hilft in ihrer Freizeit Flüchtlingen

Unfassbare Geschichten

Einmal pro Woche treffen sich Helfer und Flüchtlinge beim Flüchtlingscafé. Auch DRadio-Wissen-Reporter Christian Schmitt war eingeladen. In einer evangelischen Einrichtung im 60er-Jahre-Schick gibt es Filterkaffee und Kuchen. Die Flüchtlinge, die er dort trifft, wirken schüchtern und unsicher. Nur wenige wollen über das sprechen, was sie erlebt haben.

Die schwangere Myra aus Nigeria zum Beispiel musste fliehen, weil sie ein uneheliches Kind erwartet - der Vater ist Deutscher. In ihrer Heimat droht ihr massive Gewalt deswegen. Deshalb ist sie nach Deutschland geflohen - auch um den Vater des Kindes zu finden. Oder Reza aus Afghanistan. Extremisten wollten ihn zwingen Bomben für Attentate zu bauen. Weil er das nicht wollte, musste er fliehen. Und Adam aus Somalia vermisst seine Familie schrecklich. Was er in seiner Heimat erlebt hat, lässt ihn nachts nicht schlafen.