Am Bahnhof Berlin-Südkreuz wird eine Videoüberwachung mit 300 Freiwilligen getestet. Die Testpersonen wussten dabei anscheinend nicht, wie sehr sie wirklich überwacht werden.

Am Bahnhof Berlin-Südkreuz startete Anfang August ein Test zur Gesichtserkennung mit Überwachungskameras. Die Bundespolizei hatte dafür 300 Freiwillige gefunden. Die Testpersonen wurden fotografiert und die Porträts in einer Datenbank hinterlegt. Für den Versuch am Südkreuz müssen die Personen jetzt einen Transponder dabei haben. Darüber sind sie identifizierbar. Wenn der Computer das Gerät der Person und das Foto richtig zuordnet, hat der Test geklappt.

Stärkere Überwachung

Jetzt steht fest: Die Versuchspersonen können theoretisch noch viel umfangreicher ausspioniert werden. Statt RFID-Chips haben die Behörden ihnen iBeacons gegeben. Das behauptet jetzt Digitalcourage e.V., ein Verein für technik- und gesellschaftspolitisch interessierte Menschen.

Das Vereinsmitglied padeluun hat an diesem Projekt zur Gesichtserkennung teilgenommen und sich das kleine Gerät mal genau angeschaut. Der von ihm als iBeacon identifizierte Chip sendet selbsttätig Tag und Nacht über Bluetooth. RFID-Chips dagegen funktionieren mit Transpondertechnologie. Das heißt, der Sender funkt diesen Chip an und der antwortet: 'Ich bin da, ich habe folgende Identifikationsnummer.' Nicht besonders viel Info. Die Daten können verschlüsselt werden und nur der Sender kann sie lesen. Friedemann Ebelt von digitalcourage warnt, dass die Infos vom iBeacon dagegen nicht nur die Bundespolizei auslesen kann, sondern von jedem, der das Bluetooth-Signal abgreift.

„Dass das den Leuten nicht gesagt wird, dass sie mit einer Technik ausgestattet werden, die viel näher an der elektronischen Fußfessel liegt, als an dem, was da angekündigt wurde, ist ein Riesenskandal!“
Friedemann Ebelt, Datenschützer

Die Bundespolizei und das Innenministerium sagen jetzt, der Beschleunigungssensor in dem Gerät sei deaktiviert gewesen und die zusätzlichen Daten würden nicht verwertet. Digitalcourage hält aber dagegen, dass Datensammeln ohne Einverständnis niemals okay sei.