Was der Globus dem Smartphone voraus hat - und warum Luxusexemplare schon mal 65.000 Euro kosten können.

Wer wissen will, wo ein Land oder ein Ort liegt, der zückt sein Smartphone und ruft seine Karten-App auf. Immer seltener schaut er in einen Atlas oder fährt mit seinem Finger am Globus entlang. Das finden wir bei DRadio Wissen ein wenig schade, denn das dreidimensionale Modell unseres Planeten zum Anfassen - das hat schon was. Erst recht, wenn man stolzer Besitzer eines handgefertigten Exemplars ist.

404

Wie das oft so ist, kommen besonders schöne Exemplare aus England. Zum Beispiel aus Peter Bellerbys Werkstatt im Norden Londons. Sein Geschäft Bellerby & Co Globemakers läuft bestens. Was Peter Bellerby bewogen hat, ins weltumspannende Geschäft einzusteigen? Er wollte seinem Vater einen Globus schenken, war aber sehr unzufrieden mit dem, was er in Läden finden konnte. Also machte sich selbst ans Werk. Eine zeitintensive - und vor allem teure Angelegenheit, wie Bellerby Junior herausfinden musste. Erst zwei Jahre später und um 100.000 Pfund ärmer, war er fertig.

"Die zwei zentralen Dinge sind eine Kugel herzustellen und dann eine Karte auf diese Kugel zu bekommen."
Peter Bellerby baut Luxus-Globen

Die Kugel bekam er noch hin, aber dann wurde es kompliziert. Die nördliche und südliche Hemisphäre bestehen aus jeweils 24 Papierstreifen. Und die müssen perfekt zusammenpassen. Ist ein Streifen ein zehntel Millimeter zu kurz, ergibt das insgesamt schon zweieinhalb Millimeter Spiel. Und dann haben runde Gegenstände noch die unangenehme Eigenschaft, dass hier zwangsläufig die Kreiszahl Pi ins Spiel kommt. Die Folge: richtig komplizierte Rechnerei.

Ich schenke dir die Welt

Und wer kauft solche Luxusgloben? Die Kunden von Bellerby & Co Globemakers reichen von Studenten über Firmen und vor allem Frauen schenken sie gerne ihren Partnern. Und oft ist Peter Bellerbys Werkstatt dann das Ende einer lange Reise. Der Globenbauer erzählt von einem Kunden, der 30 Jahre brauchte, bis er das Objekt seiner Begierde endlich fand. 1000 Pfund muss man mindestens auf den Tisch legen, um einen Bellerby-Globus nach Hause zu tragen. Es können aber auch 65.000 Euro werden.

Ins rechte Licht gerückt

Bellerbys Fans verteilen sich über den gesamten echten Erdball und viele wohnen in Hollywood. Sie hören auf Namen wie Martin Scorsese, der vier Globen für Film "Hugo Cabret" orderte. Und auch in der der Fernsehserie "The Apprentice“ standen die Globen aus London schon vor der Kamera. Grundsätzlich sind die Modelle unseres Planeten als Kulisse in Filmen sehr beliebt. Das Durchschnittszimmer, wie es sich Regisseure vorstellen, scheint aus Stuhl, Tisch, Fernseher und Globus zu bestehen.

Und wenn es jetzt nicht um Requisite geht? Wer nutzt Globen noch zur Orientierung? Peter Bellerby hat da eine Theorie: Wer unterwegs ein bestimmtes Geschäft sucht, zückt sein Smartphone. Aber wer zu Hause wissen will, wie er von Europa nach Asien kommt, fährt am Globus entlang: Weil das viel präziser sei, als die verzerrte Realität im Netz.