An den deutschen Universitäten startet am 25. November ein bundesweiter Klimastreik. Wir klären, was geplant ist und welche Ziele die Protestwoche hat.

Normalerweise orientieren sich Schülerinnen und Schüler eher an Studierenden. Die sind selbstständiger, wohnen in größeren Städten und haben nicht mehr so viel mit ihren Eltern zu tun. Bei den Klimaprotesten dreht sich das jetzt um - da folgen jetzt die Studierenden den Schülern: Studierende aus 40 Städten und mehr als 50 Universitäten und Hochschulen haben ihre Teilnahme bei der Aktion der Students for Future angekündigt. Darunter sind Gruppen aus großen Uni-Städten wie Hamburg oder Hannover genauso wie aus mittleren und kleinen, etwa aus Oldenburg, Eichstätt oder Eberswalde.

Die Protestaktion ist keine Guerilla-Aktion, bei der die Unis besetzt oder lahmgelegt werden sollen. Bei der bundesweiten "Klimastreik-Woche" soll vor allem über den Klimawandel diskutiert werden.

Inhaltliche Auseinandersetzung

Wissenschaftler bieten Vorlesungen zu den Hintergründen des Klimawandels an. Außerdem gibt es Workshops, was sich vor Ort tun lässt, was jede und jeder Einzelne tun kann. Die Aktion soll vor allem mobilisieren, sagt Celine Coldewe, die Students for Future mitorganisiert.

"Wir wollen die Unis für das Thema sensibilisieren und die Studierenden ein bisschen mehr politisieren. Das Ganze soll der Startpunkt für weitere Aktionen sein."
Celine Coldewe, Students for Future

Bisher hat die Fridays-for-Future-Bewegung an den deutschen Hochschulen nicht wirklich gezündet. Es sei "allgemein ein Problem", dass viele Studierende nicht politisiert seien, so Coldewe. Woran das aber genau liegt, kann sie auch nicht sagen, gesteht sie etwas ratlos.

Weniger Zeit zum Protestieren

Die Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge hat an vielen Hochschulen dazu geführt, dass die Studiengänge deutlich verschulter sind und die Studierenden weniger Zeit für ihr Privatleben – und auch für Proteste – haben. In den 60er, 70er und 80er Jahren, bei den 68er-Protesten und der Anti-Atom-, Friedens- oder Umweltbewegung, waren sie noch eine der Protest-Triebfedern.

Heute sind dagegen die Schüler eine Art "neue Avantgarde". Aus Sicht von Simon Teune, Protestforscher an der TU Berlin, machen sie viel Druck. Und sie haben auch gute Druckmittel. Das Schwänzen des Unterrichts strahle für sie einen Reiz des Verbotenen aus – für Studierende dagegen weniger.

"Wenn Studierende streiken, hat das nicht so einen disruptiven Charakter wie bei Schülern. Weil die eben Schulpflicht haben und Regelbruch begehen, wenn sie freitags nicht zur Schule gehen."
Simon Teune, Protestforscher an der TU Berlin

Disruptiver Charakter hin oder her – der Wille für mehr Protest ist zumindest auch bei einigen Studierenden da: Bei den erneut groß angelegten Fridays-For-Future-Demos am 29.11. werden sich diesmal auch die Students for Future beteiligen.

Manche Gegner der Fridays-For-Future-Bewegung sahen und sehen bei den Protesten der Schülerinnen und Schüler den drohenden Untergang des Bildungsbürgertums. Streikende Studierende könnten dort schnell in die "Faulpelz"-Schublade einsortiert werden.