Das Leben geht weiter - auch bei den Protagonist*innen aus den Einhundertgeschichten. Was wurde aus Shekib, der in der Jury von Afghanistan sucht den Superstar gesessen hat? Was wurde aus Elisabeth, die mit Anfang 20 so stark an Endometriose erkrankt ist, dass sie immer wieder aus ihrem Alltag rausgerissen wurde? Und wie geht es Vanessa, die zwar ihren gewalttätigen Ex verlassen hat, aber danach nicht für sich selbst sorgen konnte?

Vanessa - Frei leben will gelernt sein

Die US-Amerikanerin Vanessa lebt lange in einer gewaltvollen Beziehung. Mit 35 verlässt sie ihren Mann mit ihren drei Kindern. Ihre Flucht muss sie vorsichtig planen. Ihr Mann kontrolliert jeden Winkel ihres Lebens, entscheidet, wie viel Geld sie bekommt und verbietet ihr ein eigenes Handy zu haben. Vanessa schafft es, danach von vorne anzufangen - auch wenn das nicht immer leicht ist. Sie kriegt aber einen Job als Krankenschwester in New York und eine Wohnung. Dann bekommt sie psychische Probleme und muss kündigen. Damit verliert sie auch ihre Wohnung, weil die vom Arbeitgeber gestellt wird. Vanessa hat keine Ersparnisse und landet in einem Obdachlosenheim.

Mittlerweile lebt sie mit zwei ihrer erwachsenen Kinder wieder in einer Wohnung in Brooklyn. Ein Sohn ist schon ausgezogen. Sie arbeitet noch als Krankenschwester, will sich aber mit knapp 50 neu orientieren. Ihr Ziel: Menschen dabei helfen, ihre Finanzen besser zu verstehen und in den Griff zu bekommen.

Wissen über den Umgang mit den eigenen Finanzen ist besonders für Frauen ein wichtiger Faktor, um frei zu sein. Dann kannst du unabhängig von Anderen sein.
Vanessa erklärt, warum es so wichtig ist, sich mit den eigenen Finanzen auszukennen

Elisabeth - Schmerzen, die dir keiner glaubt

Wenn sie ihre Periode hat, hat Elisabeth extreme Schmerzen. Seit sie 15 ist, nimmt sie deswegen starke Schmerzmittel. Ärzt*innen sagen ihr immer wieder, das sei normal. Als sie ihre Oma besucht und die ihre Schmerzen mitbekommt, erzählt sie Elisabeth, dass sie früher das gleiche Problem gehabt habe und deswegen sogar operiert worden sei. Elisabeth findet raus, dass die Krankheit Endometriose Ursache für ihre Schmerzen sein könnte. Das sind gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, auch außerhalb der Gebärmutter. Mit der Periode wird dann nicht nur die Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmutter durch die Blutungen abgebaut, sondern auch außerhalb davon und das verursacht Schmerzen. Es kann auch zu Entzündungen kommen, wenn das Blut nicht richtig abfließen kann. Elisabeth wird operiert, doch die Wucherungen kommen nach ein paar Monaten wieder. Außerdem erfährt sie, dass die Endometriose unfruchtbar machen kann. Die Ärzt*innen raten ihr so schnell wie möglich Kinder zu bekommen, wenn sie welche haben will. Elisabeth steht unter Druck.

Ich habe wirklich Angst davor später einen unerfüllten Kinderwunsch zu haben. Ich hab das Gefühl mir läuft die Zeit davon. 
Elisabeth über die ungewisse Zukunft

Zwei Jahre später ist Elisabeths Endometriose immer noch da. Wenn sie richtig schlimme Schmerzen hat, nimmt sie einfach Schmerzmittel, um das auszuhalten. Das ist dann eben so, sagt sie. Sie kennt ihren Körper jetzt auch viel besser als noch vor einigen Jahren und weiß, wie sie die Schmerzen etwas lindern kann. Außerdem hat sie akzeptiert, dass die Endometriose nicht weggehen wird und einfach Teil ihres Lebens ist. Ihr Leben dreht sich heute viel mehr um ihr Psychologiestudium, Sport, den Hund Lolle und die Beziehungen zu wichtigen Menschen, als um die Krankheit. Das Thema Kinderwunsch bleibt allerdings weiterhin ungeklärt.

Shekib - In Deutschland ein Geflüchteter, in Afghanistan ein Star

Shekib Mosadeq ist Musiker in Afghanistan. Er schreibt politische Texte und das ist auch nach dem Sturz der Taliban 2001 noch gefährlich. Shekib spielt trotzdem Konzerte und dreht Musikvideos. Fast zehn Jahre lang geht das gut. Bis er 2010 einen Anruf bekommt, in dem ein unbekannter Mann droht, seiner Tochter etwas anzutun. Da entscheidet Shekib, dass er aus Afghanistan fliehen wird. Nach einem knappen Jahr kommt er mit Frau und Tochter in Deutschland an. Hier ist er komplett unbekannt, trotzdem macht er weiter Musik. Er kommt in Kontakt mit dem Liedermacher Konstantin Wecker und wird von einem Label unter Vertrag genommen. Das kriegt auch der afghanische TV-Sender Tolo TV mit und fragt Shekib, ob er nicht Juror bei "Afghan Star" werden will, der afghanischen Version von "Deutschland sucht den Superstar". Er sagt zu und fliegt im Oktober 2019 nach Kabul. Shekib hofft jetzt öfter nach Afghanistan reisen zu können. Aber er wird bald wieder bedroht und kann für weitere Staffeln nicht anreisen. Als im Sommer 2021 der Truppenabzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan beginnt, fühlt er sich ziemlich hilflos.

Ich bin verrückt geworden und habe gesagt, ich komme nach Afghanistan, ich nehme Waffen und kämpfe gegen die Taliban. Ich war voller Wut. Aber ich wusste nicht, wie gefährlich die Situation ist. Ich habe nicht gedacht, dass wir alles komplett verloren haben.
Shekib ist verzweifelt

Seine Freunde überreden Shekib nicht nach Afghanistan zu fliegen. Stattdessen engagiert er sich in Deutschland für die Menschen in Afghanistan. Er versucht Freund*innen und Bekannte aus Afghanistan nach Deutschland zu holen und organisiert Demos und Konzerte, die sich mit Protesten gegen die Taliban in Afghanistan solidarisieren. Eine Show wie "Afghan Star" wäre heute in Afghanistan nicht mehr möglich. Um gegen das dortige Musikverbot zu protestieren, plant Shekib gerade seine eigene Show "Sada e Naw" hier in Deutschland.

Die ganze Folge hört ihr hier oder im Podcast Feed.

Wir erzählen Eure Geschichten

Habt ihr auch eine Geschichte erlebt, die in die Einhundert passt? Dann erzählt uns davon. Storys für die Einhundert sollten eine spannende Protagonistin oder einen spannenden Protagonisten, Wendepunkte und ein unvorhergesehenes Ende haben.

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