Sie hassen unseren Lifestyle und wollen maximale Aufmerksamkeit. Also attackieren Terroristen Rockkonzerte und schlagen während eines Fußballspiels zu, das Millionen Menschen vor dem Bildschirm und Tausende im Stadion verfolgen. Bleibt die Frage, wie wir mit diesem Wissen umgehen. Der Terrorismusexperte Holger Schmidt hat da eine klare Meinung.

Inzwischen hat sich der IS zu den Anschlägen in Paris bekannt. Und für deren Anhänger ist klar: Jeder, der nicht ihrem Glauben angehört, ist schuldig - und damit jemand, den es zu bekämpfen gilt, erklärt der Terrorismusexperte Holger Schmidt. Das gelte erst recht für Nicht-Muslime in der westlichen Welt, die Dinge tun, die als frevelhaft angesehen würden. Und daher seien die Anschläge von Paris in der verqueren Logik der Terroristen nur konsequent.

"Ein Rockkonzert ist für strenggläubige Muslime an sich schon eine Sünde."
Terrorismusexperte Holger Schmidt

Ganz wichtig ist den Terroristen aber noch etwas anderes: Sie suchen maximale mediale Aufmerksamkeit, erklärt Holger Schmidt. Und deshalb sei ein Fußballspiel, das Millionen Zuschauer im Fernsehen verfolgen, das perfekte Ziel.

"Terrorismus lebt davon, dass die Taten so spektakulär sind, dass sie einen so hohen Gesprächswert haben und eine so hohe Verbreitung finden."
Terrorismusexperte Holger Schmidt

Für Holger Schmidt ist deshalb klar: Massenmedien haben eine große Verantwortung, wenn sie über Anschläge berichten. Und auch wenn feststehe, dass Journalisten die Ereignisse nicht verschweigen dürften, müssten sie gerade bei Bekennerbotschaften sehr aufpassen. Andernfalls bestehe die Gefahr, sich zum Multiplikator von Propaganda zu machen.

Das Leben ist gefährlich

Bleibt die Frage nach den Konsequenzen? Nicht nur für die große Politik, sondern für jeden von uns. Heute Abend also lieber Sofa als Clubbing oder Kneipenabend? Holger Schmidt hat da eine Empfehlung für uns: Wir sollten uns vor Augen halten, wie Terror wirkt und einfach analysieren, wie wir in anderen Lebenssituationen mit unseren Gefühlen umgehen. Denn wer mit über Hundert Stundenkilometern über die Autobahn brettere, setzte sich auch großen Gefahren aus - die viele selbstverständlich in Kauf nehmen würden. Weil andernfalls die Gefahr bestehe, durchzudrehen.

Das Problem bei Terrorismus: Es ist eine besondere Situation und deswegen bewerten wir diese Gefahr viel höher, sagt Holger Schmidt - auch wenn ein Anschlag statistisch sehr unwahrscheinlich sei.

"Ein Terroranschlag darf nicht dazu führen, dass man sein Leben davon diktieren lassen darf. Denn das ist genau das, was die Terroristen erreichen wollen."
Terrorismusexperte Holger Schmidt