Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hebt wegen der steigenden Verbraucherpreise erneut den Leitzins an – auf bis zu 1,75 Prozent. Sebastian Moritz aus der Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsredaktion erklärt, was der größte Zinssprung seit 1994 bewirken soll.

In den USA ist die Teuerungsrate so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr. Um dem entgegenzusteuern, hat die US-Zentralbank eine weitere Zinserhöhung beschlossen. Der Leitzins wird um 0,75 Punkte auf die neue Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent erhöht.

"Unterm Strich – das ist immer die Hoffnung, wenn Notenbanken den Leitzins erhöhen – geben die Menschen dann weniger aus."
Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsredakteur Sebastian Moritz

Für die Menschen in den USA bedeutet das: Wer sich Geld leihen möchte, muss dafür in Zukunft noch mehr Zinsen zahlen. Kredite, zum Beispiel für Immobilien, werden teurer. Gleichzeitig könnte es auf dem Konto wieder Zinsen geben, sparen lohnt sich also wieder etwas mehr.

Wie die Inflation gestoppt werden soll

Dahinter steckt ein in der Theorie relativ einfacher Mechanismus. "Die Notenbank erhöht den Leitzins. Für die Geschäftsbanken wird es damit teurer, sich Geld zu leihen, beziehungsweise Geld bei der Zentralbank zu parken", sagt Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsredakteur Sebastian Moritz. "Diese höheren Zinsen geben die Geschäftsbanken dann wiederum an ihre Kunden weiter. Diese Kunden sind ganz normale Bürger*innen, aber auch Unternehmen, die Kredite aufnehmen, um neue Maschinen zu kaufen oder neue Werksgebäude zu bauen."

Wenn Kredite teurer werden, dann, so zumindest der theoretische Plan der Fed, geht die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen zurück. "Diejenigen, die etwas verkaufen wollen, senken ihre Preise oder erhöhen sie zumindest nicht mehr so stark, damit sie ihre Waren und Dienstleistungen trotzdem loswerden", sagt er. "Damit wäre der Anstieg der Inflation gestoppt."

"Das ist allerdings nur Theorie, praktisch aus dem Lehrbuch."
Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsredakteur Sebastian Moritz

Ob das in der Praxis auch so funktioniert, sei nicht sicher, sagt Sebastian Moritz. "Denn die großen Treiber der Inflation sind die Preise für Energie und Lebensmittel", sagt er "Das liegt jedoch beides am Krieg in der Ukraine, da kann die Fed über den Leitzins auch nicht so viel steuern."

Leitzinsanpassung ist ein Spagat

Ewig können die Zinserhöhungen allerdings nicht weitergehen. Denn sie sind auch riskant. "Höhere Preise und eine geringere Nachfrage bremsen die Wirtschaft aus", sagt Sebastian Moritz. "Unterm Strich wird dann einfach weniger konsumiert."

Die Fachleute bei der Fed gehen deshalb auch davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr deutlich langsamer wächst als vorhergesagt. Die Prognose für Wirtschaftswachstum wurde von ursprünglich 2,8 Prozent auf 1,7 Prozent gesenkt. "Gleichzeitig kam aber auch die Ankündigung, dass diese Leitzinserhöhung nicht die Letzte gewesen sein wird", sagt Sebastian Moritz. "Da werden noch weitere Schritte folgen, wenn auch vermutlich nicht so große."

Expert*innen zufolge gilt es als relativ sicher, dass die jetzige Zinserhöhung nicht ausreichen wird, um die Inflation auf die Rate von zwei Prozent zu drücken. Das ist die Inflationsrate, die als gesund gilt und im Grunde das Ziel dieser Zinspolitik ist. "Am Ende ist das ein Herantasten, ein Spagat", sagt Sebastian Moritz. "Die Notenbank muss den Leitzins so stark erhöhen, dass die Inflation gebremst wird, darf ihn aber auch nicht zu stark erhöhen, weil das die Wirtschaft abwürgt."

Die US-Notenbank ist nicht die einzige Notenbank, die versucht, über höhere Zinsen die Inflation in den Griff zu bekommen. Auch in Europa hat die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche angekündigt, dass sie die Leitzinsen erhöhen wird.