Sommer 2014. Schwarz-Rot-Gold im Freudentaumel. Wir haben es endlich geschafft. Nach über 24 Jahren ist der WM-Pokal zurück in Deutschland. Der heiß ersehnte Titel ist der Höhepunkt eines langwierigen Prozesses. Der Sieg im Finale war ein Kraftakt - eine echte Teamleistung eben.

Dabei muss man fairerweise sagen: Eigentlich haben zwei Teams daran gearbeitet, diesen Traum vom WM-Titel Wirklichkeit werden zu lassen. Das eine stand auf dem Rasen - oder zumindest in der Coaching-Zone. Das andere hat im Hintergrund gearbeitet. Vom Busfahrer über die medizinische Abteilung bis zum Zeugwart - jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass Fußball-Deutschland Anfang Juli 2014 tagelang auf den Straßen feiern konnte.

"Wir haben es mit zwei Teams zu tun, mit der Mannschaft auf der einen Seite und mit dem Betreuerstab. Und genau diese Wechselwirkung hat sehr, sehr gut funktioniert."
Sportpsychologe Werner Mickler erklärt das Geheimnis des WM-Erfolgs

Der Weg, den dieses Team gegangen ist, war geprägt von Höhen und Tiefen. Das Sommermärchen, die WM 2006 im eigenen Land, musste ohne Happy End auskommen. Immerhin belegte die Nationalmannschaft, damals noch unter Trainer Jürgen Klinsmann, Platz drei. Vier Jahre später bei der WM in Südafrika hat es, diesmal unter Trainer Joachim Löw, wieder nur zu Platz drei gereicht. Aber vielleicht war es gerade dieses knappe Scheitern, dass die Mannschaft zu dieser Teamleistung bei der WM 2014 in Brasilien angespornt hat.

Drei Phasen zum Erfolg

Im Teambildungsprozess macht Sportpsychologe Werner Mickler drei Phasen aus:

  • Kennenlern-Phase:
    wer sind die Menschen, mit denen ich arbeiten soll
  • Storming- oder Konflikt-Phase:
    Hier werden Hierarchien geklärt, das heißt innerhalb des Teams herausfinden, wo man sich selber verorten muss. Das kann auch erst mal zu Grabenkämpfen führen. In dieser Phase werden die Regeln aufgestellt, die für die spätere Zusammenarbeit wichtig sind.
  • Leistungsphase:
    Optimalerweise funktioniert das Team jetzt so gut, dass mehr dabei herauskommt, als wenn jeder für sich arbeitet und leistet

Eine Schlüsselrolle hat dabei gerade die Storming- oder Konflikt-Phase. Denn mit den Regeln, die hier ausgehandelt werden - zum Beispiel zwischen dem Trainer und seinem Team - müssen sich ausnahmslos alle einverstanden erklären. Wer nicht voll und ganz hinter diesen Regeln steht, wird auch nicht vollen Einsatz bringen, sagt Sportpsychologe Werner Mickler.

Gemeinsam gewinnen, gemeinsam verlieren

Eine Regel, die für ein Team besonders wichtig ist: die Frage nach dem Umgang mit Fehlern. Wer im Team arbeitet, muss sich bereit erklären, die Fehler des anderen mit auszubügeln, auch wenn das bedeutet, dass man dann mehr leistet als die anderen. Denn nur so funktioniert ein Team lückenlos. Im Fußball heißt das: nicht lange über einen Ballverlust des Mitspielers meckern, sondern erst mal rennen und den Fehler wieder glatt bügeln. Alles andere gibt dem Gegner die Chance zu agieren.