Als die DDR-Regierung im November 1988 die deutsche Ausgabe der sowjetischen Zeitschrift "Sputnik" verboten hat, hat nicht nur die Bevölkerung unerwartet heftig reagiert. 

Weil sich "Sputnik" in Zeiten von "Glasnost" und "Perestroika" kritisch mit Stalin und der Rolle der kommunistischen Partei in den 1930er Jahren auseinandergesetzt hat, ist sie kurzerhand von der staatlich gelenkten Postzustellung gestrichen worden. 

Zementiertes Geschichtsbild

Die Führung der DDR will die Umdeutung des von ihr vorher festgelegten Geschichtsbildes verhindern: Generationen von DDR-Bürgern ist in der Schule eingetrichtert worden, dass die Weigerung der Sozialdemokraten am Ende der Weimarer Republik, gemeinsam mit den Kommunisten gegen die NS-Bewegung vorzugehen, deren Aufstieg erst ermöglicht habe. 

Angst vor freier Meinungsäußerung

Die Angst vor einer Debatte, deren Ausgang nicht plan- oder vorhersehbar sein würde, ist größer gewesen als die Sorge vor den Reaktionen in den eigenen Reihen und bei den sozialistischen Bruderstaaten. Die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung - dafür ist das Verbot der Zeitschrift "Sputnik" ein Beispiel - war eines der wichtigsten Puzzleteile, die 1989 schließlich zum Untergang der DDR und des gesamten Ostblocks führten. 

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Dagmar Hovestädt von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen schildert die Folgen des Verbots. 
  • Der Historiker Christoph Classen vom Potsdamer Zentrum für zeithistorische Forschung erklärt die Medienlandschaft in der DDR. 
  • Der Medienwissenschaftler Jürgen Wilke von der Universität Mainz beschäftigt sich mit der Presse- und Meinungsfreiheit und stellt zunehmende Einschränkungen in manchen EU-Staaten fest.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Felix Schledde schildert die schwierigen Beziehungen zwischen der DDR und der Sowjetunion am Ende der 80er Jahre.
  • Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte, beschreibt die Angst der DDR-Führungsriege vor abweichenden Meinungen in der Bevölkerung. 

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