Treibhausgase, vor allem CO2, führen zu einer Erderwärmung und damit zu verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt, das ist bekannt. Trotzdem gelingt es uns nicht, die Emissionen zu senken - im Gegenteil: weltweit steigen sie an. Würde es helfen, wenn wir für den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zur Kasse gebeten würden? Ja, glaubt der Ökonom Ottmar Edenhofer. Im Vortrag erklärt er, warum er eine CO2-Steuer für notwendig hält und wie sie aussehen könnte.

Ein einzelner Baum in der Wüste von Oman

In der Politik wird sie gerade heiß diskutiert, der Ökonom Ottmar Edenhofer wirbt schon lange für sie: eine Abgabe auf klimaschädliches CO2. Der Ansatz: Wenn klimaschädliches Handeln teurer wird, achten wir mehr auf unsere Emissionen und senken somit den CO2-Ausstoß. Gleichzeitig würden erneuerbare Energien gefördert.

"CO2-Preise sind effektiv und gerecht."
Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

In seinem Vortrag erklärt Ottmar Edenhofer unter anderem, warum er einen weltweiten Preis auf CO2 für nötig hält, wie eine solche Bepreisung national und international gestaltet werden könnte und weshalb Maßnahmen, wie etwa ein von der Politik angeordneter Kohleausstieg, seiner Ansicht nach keine Alternative sind.

CO2-Steuer: Die Verschmutzer sollen zahlen

Dabei nennt er auch konkrete Zahlen: Um in etwa das 2-Grad-Ziel zu erreichen, müsste eine Tonne CO2 bis 2020 circa 40 bis 80 US-Dollar kosten, bis 2030 müsste dieser Preis sich auf etwa 50 bis 100 Dollar erhöhen. Das sei "ein guter Anfang". CO2-freie Technologien hätten dann gegenüber fossilen Energiequellen einen Vorteil, und die Einnahmen könnten sinnvoll eingesetzt werden, etwa um in Infrastruktur zu investieren oder um Steuern zu senken.

"Die CO2-Bepreisung könnte die deutsche Energiewende doch noch zum Erfolg führen."
Ottmar Edenhofer, Ökonom

Edenhofers Ansatz ist nicht unumstritten, das zeigt sich auch am aktuellen Streit innerhalb der Koalition zum Thema. Unter Ökonomen, so sagt er, sei er aber im Grundsatz weitestgehend Konsens. Und in Zeiten, da es Hunderttausende zu Fridays-For-Future-Demos zieht, Städte den Klimanotstand ausrufen und die Grünen erstmals bei einer bundesweiten Wahl zweitstärkste Kraft werden, könnte die Idee einer CO2-Abgabe vielleicht auch in der Bevölkerung fruchten, wenn sie die Bürger nicht zu stark belastet.

Ottmar Edenhofer ist Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Sein Vortrag "Nach dem 1,5° C-Bericht: Ehrgeizigere Ziele – halbherzige Mittel?" wurde am 4. Februar 2019 im Rahmen der „Kieler Energiediskurse – Gespräche zur Energiepolitik“ aufgezeichnet. Veranstaltet wurde der Diskurs von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH gemeinsam mit dem Institut für Weltwirtschaft Kiel und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel.