Kaum eine politische Revolution ist so eng mit dem Internet verknüpft, wie der Massenprotest gegen den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Damals hatte das Netz seine Mobilisierungsfähigkeiten unter Beweis gestellt - aber wie sieht es heute in Ägypten aus?

Von der Revolution ist nicht viel übrig geblieben. Hosni Mubarak ist längst aus dem Gefängnis entlassen worden und an der Spitze des Staates steht ein anderer langjähriger Armee-General - nachdem der demokratisch gewählte Präsident weggeputscht wurde. Also alles bestens, sagt zumindest das ägyptische Außenministerium - und feiert den fünften Jahrestag der Proteste standesgemäß auf Facebook mit der Kampagne #Egyptbettertoday.

25 Dinge hat die Regierung unter diesem Hashtag aufgelistet. Und wer sich diese Gründe durchliest, staunt nicht schlecht: Nicht nur Erfolge in der Wirtschaft schreibt sich die Regierung da zugute, sondern lobt auch den Kampf gegen Korruption und für soziale Gerechtigkeit und politische Teilhabe.

Einladung an alle Kritiker

Klar, dass dieser Hashtag Egyptbettertoday natürlich eine Einladung an alle Kritiker ist, sich mit dem Zustand des Landes auseinanderzusetzen. Das tun natürlich HumanRightsWatch oder Amnesty, die in Präsident Abd al-Fattah as-Sisi einen neuen Autokraten erkennen und die Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten kritisieren. Und auch hier spielt wieder das Internet eine Rolle. Der Staat, so schreibt ein Aktivist, fürchtet sich vor dem 25. Januar. Und deshalb wurden Facebookseiten-Administratoren festgesetzt, Aktivisten verhaftet und mehrere Tausend Wohnungen in Kairo durchsucht.

Noch schlimmer als unter Mubarak sei die Überwachung, werden Aktivisten zitiert. Und so ist von regierungskritischen Demonstrationen zum Jahrestag gerade nichts zu spüren. Die Wut ist bei vielen noch da, aber die Angst vor einem blutigen Ende solcher Proteste wohl zu groß.

"Wenn schon der Weg in die Demokratie vorerst verbaut ist, wollen viele User ihren Protest zumindest weiterhin über das Netz artikulieren."
Netzautor Andreas Noll

Allenfalls im Netz gibt es ein paar regierungskritische Anwandlungen. Auf Twitter wird zum Beispiel das Foto eines von der ägyptischen Justiz bis auf Weiteres festgehaltenen Fotojournalisten mit diesem Hashtag egyptbettertoday gepostet. Er sitzt offenbar seit 2014 aus politischen Gründen im ägyptischen Gefängnis und soll dort gefoltert werden. Und die BBC berichtet über einen Comic-Zeichner, der lächerliche Emojis von Präsident Al-Sisi zeichnet und damit eine Welle im Netz losgetreten hat.