Allein in Deutschland leiden 800.000 Menschen an Zwangserkrankungen. Die häufigste Form ist der Waschzwang. Forscher glauben die Ursache dafür gefunden zu haben.

Eine Handlung ist zwanghaft, wenn der Betroffene sie immer dann ausführt, wenn er einen inneren Konflikt beruhigen oder befriedigen muss, erklärt Dr. Johannes Wimmer. Teilweise ist es den Betroffen selbst nicht bewusst, dass sie unter einer Zwangsstörung leiden. Bei anderen zeigen sich die Folgen des extremen Waschens: Wunden, trockene, rissige Haut. Wer bei sich selbst eine Zwangsstörung vermutet, sollte einen Arzt aufsuchen und sich behandeln lassen, rät Dr. Johannes Wimmer.

Antidepressiva nach Gießkannenprinzip

In den vergangenen Jahren wollten Wissenschaftler herausfinden, welche Ursachen tatsächlich zu bestimmten Krankheitsbildern führen. Bei psychischen Erkrankungen ist es relativ schwer, die Ursache festzustellen. Deshalb wurden früher etwa Zwangsstörungen einfach mit Antidepressiva behandelt, weil die Ärzte feststellten, dass die Medikamente wirken. Nur wusste man nicht warum und wie. 

Putzzwang bei Mäusen untersucht

Die Forscher haben in Labortests bei Mäusen ein bestimmtes Gen, das wiederum für ein bestimmtes Protein verantwortlich ist, ausgeschaltet. Das hat bei den Labortieren einen extremen Putzzwang hervorgerufen. Für die Wissenschaftler war das der entscheidende Hinweis dafür, dass in der Hirnregion Amygdala, die für emotionale Reaktionen zuständig ist, dieses Protein fehlt und für die Zwangsneurose Waschzwang verantwortlich ist. An dieser Stelle scheinen dann auch die Antidepressiva zu wirken.

"Spannend wäre, ob man daraus eine Medikament entwickeln kann, was ganz gezielt auf diesen kleinen Signalweg wirkt und man dadurch zum Beispiel auch weniger Nebenwirkungen hat."
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Bis die Forscher daraus ein Medikament entwickeln, dass gezielt auf den Waschzwang wirkt, werden wahrscheinlich noch mehrere Jahre vergehen.