Dass Erfolg nicht nur eine Frage der Intelligenz ist, wissen wir – soziale Herkunft etwa spielt auch eine entscheidende Rolle. Aber die Eigenschaft Geduld ist offenbar genauso wichtig, sagt der Verhaltensökonom Matthias Sutter in seinem Vortrag. Und zwar nicht nur für unseren Erfolg, auch für unsere Gesundheit. Das Gute: Geduld ist lernbar!

"Gib nicht alles auf einmal aus!" oder "Mach doch erst mal den Abschluss und dann kannst du immer noch was anderes anfangen!". – Solche wohl gemeinten Elternratschläge können ganz schön nerven. Worauf warten? Warum nicht jetzt sofort? Spoiler: Geduld zahlt sich tatsächlich aus, sagt die Wissenschaft.

"Der Faktor Geduld ist ungefähr gleich stark in seiner Wirkung wie beispielsweise der Intelligenzquotient einer Person oder der elterliche Hintergrund einer Person."
Matthias Sutter, Verhaltensökonom

In seinem Vortrag stellt der Verhaltensökonom Matthias Sutter eine ganze Reihe von Forschungsergebnissen vor, die zeigen, dass Geduld ein wichtiger Erfolgsfaktor ist – und mit Erfolg meint er nicht allein Bildungsabschluss oder Einkommen, sondern auch Gesundheit zum Beispiel. Geduld im verhaltensökonomischen Sinne meint dabei aktiv auf etwas hinzuarbeiten durch vorläufigen Verzicht.

Abwägen zwischen Gegenwart und Zukunft

Klassisches Beispiel dafür sind etwa Bildungsentscheidungen oder Sparen. Es geht Matthias Sutter dabei nicht um den erhobenen Zeigefinger, nicht um ein Plädoyer für eine altbackene Tugend zum reinen Selbstzweck oder zum Gefallen von Mama und Papa – nein, es geht um Fakten aus der Verhaltensforschung.

"Die Zusammenhänge sind alle relativ stabil und robust, dass auf die Zukunft hinarbeiten zu können aktiv etwas ist, was für viele Bereiche des Lebens tatsächlich von Bedeutung ist."
Matthias Sutter, Verhaltensökonom

Geduld ist erlernbar

Geduld zeigt er, ist genauso wichtig wie etwa Bildungsgrad oder Wohlstand des Elternhauses. Und während wir an den ersten beiden nichts ändern können, lässt sich in Sachen Geduld schon etwas machen: Geduldig sein, konkreter: Ausdauer und das Abwägen zwischen Gegenwart und Zukunft, sind erlernbar. Und zwar nicht nur im Kindesalter, sondern später auch noch.

"Wenn wir Geduld, Zukunftsorientierung beeinflussen können, dann heißt das eigentlich nichts anderes, als dass wir damit unter Umständen Startnachteile im elterlichen Hintergrund als auch in der Intelligenz zumindest teilweise ausgleichen können."
Matthias Sutter, Verhaltensökonom

Matthias Sutter ist seit 2017 Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern Bonn und Professor für Experimentelle Wirtschaftsforschung an den Unis Köln und Innsbruck. Seinen Vortrag "Die Entdeckung der Geduld. Ausdauer schlägt Talent" hat er für den Hörsaal am 02.03.2022 eingesprochen, er basiert auf seinem gleichnamigen Buch. Zuletzt hat Matthias Sutter das Buch "Der menschliche Faktor oder worauf es im Berufsleben ankommt. 50 verhaltensökonomische Einsichten“ veröffentlicht.

  • Hörsaal
  • Moderatorin:  Katrin Ohlendorf
  • Vortragender:  Matthias Sutter, Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern Bonn und Unis Köln und Innsbruck