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Weihnachten ist zurzeit das alles bestimmende Thema. Dabei findet im Dezember auch ein anderes religiöses Fest statt: Chanukka. Marina Weisband, Politikerin und Autorin, erzählt, wie sie das jüdische Lichterfest im Corona-Jahr feiert und was sie von der großen Diskussion über Weihnachten unter Pandemiebedingungen hält.

Jeden Abend zündet Marina Weisband mit ihrer Tochter die Kerzen am Chanukka-Leuchter an. Zusammen mit ihrer Familie singen und spielen sie anlässlich des jüdischen Lichterfestes, das in diesem Jahr vom 10. bis 18. Dezember stattfindet. Außerdem gibt es kleine Geschenke. Damit sei es eigentlich genauso wie in den letzten Jahren, erzählt sie. Was wegen Corona aber ausfalle, sei der Besuch der Synagoge. Als Ersatz streamen manche Synagogen das feierliche Kerzenanzünden.

Corona macht allen Glaubensgemeinschaften zu schaffen

Insgesamt, sagt Marina Weisband, nehme sie in der deutschen jüdischen Gemeinde die Diskussion um die strengen Maßnahmen als nicht besonders groß wahr. Das, so vermutet die 33-Jährige, könnte mit einem jüdischen Gebot zusammenhängen: Es betone nicht nur die Pflicht, Leben zu schützen. Es beinhalte sogar das Verbot, Dingen nachzugehen, die das Leben bedrohen könnten. Und das lasse sich laut Marina Weisband gut auf die aktuelle Situation anwenden.

Die Gemeinde nehme die Corona-Schutzmaßnahmen vielleicht auch deshalb relativ gelassen hin, weil Chanukka im Judentum nicht zu den höchsten Feiertagen gehöre: "Für uns ist das Thema schon lange durch", sagt sie.

"Wir haben an Jom Kippur intensiv miterlebt, wie es ist, wenn man an einem hohen Feiertag nicht in der Synagoge zusammenkommen kann."
Marina Weisband war früher bei den Piraten, inzwischen ist sie bei den Grünen aktiv.

Trotzdem kann sie das Bedürfnis der Menschen, gemeinsam feiern zu wollen, nachvollziehen. "Ich weiß, dass es in dieser Zeit sehr viele einsame Menschen gibt. Und deswegen fällt es mir schwer, darüber zu urteilen." Menschen brauchten einander und die Frage, welche Risiken man deswegen eingeht, sei nicht einfach zu beantworten. Sie beobachtet aber auch, dass in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen wird.

"Weihnachten ist in der Öffentlichkeit nicht verhandelbar. Über mögliche Lockerungen zum muslimischen Zuckerfast gab es hingegen Empörung."
Marina Weisband war früher bei den Piraten, inzwischen ist sie bei den Grünen aktiv.

Christliche Feiertage per Gesetz bevorzugt

Sie kritisiert etwa, dass Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland aus religiösen Gründen bislang nur einen Urlaubstag pro Jahr nehmen können. Für Nicht-Christen bedeute das häufig, dass sie an hohen religiösen Feiertagen arbeiten oder eine Prüfung schreiben müssen. Die Tatsache hingegen, dass so ziemlich alle christlichen Feiertage frei sind, zeigt ihrer Meinung nach, dass die Trennung von Staat und Religion in Deutschland noch nicht ganz vollzogen ist.