Baum: Check. Plätzchen: Check. Geschenke? Ups! Warum wir es an Weihnachten einfach nicht auf die Kette bekommen, weiß Neurowissenschaftler Henning Beck. Schuld ist unser Gehirn.

Das Fest der Liebe ist ein Stresstest, jedenfalls für viele, die mitmachen wollen. Denn oft läuft das so: Wir haben uns zwar alles Mögliche vorgenommen, hinken in der Zeitplanung aber hinterher. Und dafür gibt es einen Grund, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck: Wir unterschätzen nämlich, wie lange etwas dauert, das wir uns vorgenommen haben: "Alle Planungen werden systematisch unterschätzt." Planungsfehlschluss nennt die Wissenschaft das.

Henning Beck kann sogar beziffern, um wie viele Tage wir uns verschätzen, wenn wir an den Kauf unserer Weihnachtsgeschenke denken: Es handelt sich im Schnitt um vier Tage, sagt er. Vier Tage, die wir also zu wenig einplanen. Und das liege daran, dass wir die Zeit prinzipiell falsch einschätzen.

"Wir schätzen die Zeit systematisch falsch ein und können deswegen nicht genau sagen, wie lange etwas dauert."
Neurowissenschaftler Henning Beck

Dabei dürfte doch eigentlich alles klar sein: Wir wissen vielleicht schon, was wir schenken wollen. Und wir wissen auch ganz genau, wann Weihnachten ist - nämlich jedes Jahr am 24. Dezember. Trotzdem versagt unser Zeitmanagement.

"Das Problem ist: Wir haben keinen Sinn für die Zeit!"
Neurowissenschaftler Henning Beck

Uns fehle schlicht ein Sinn für die Zeit, meint Henning Beck: "Wir können alles mögliche spüren oder fühlen, aber die Zeit nicht. Die Zeit ist eine Erfindung des Gehirns."

Systemfehler im Gehirn

Das Paradoxe dabei: Je öfter man etwas gemacht und durchdacht hat, desto falscher schätzt man den Zeitaufwand dafür ein, so der Neurowissenschaftler. Das Gehirn "schnürt die Erinnerung ein", weil die Situation schon häufig erlebt wurde. Und das sei generell der Fall und passiere beispielsweise auch Experten bei der Planung von Großprojekten.

"Man muss sich tatsächlich zwingen und dem Gehirn auf die Sprünge helfen."
Neurowissenschaftler Henning Beck

Raus kommen wir aus der Misere nur, wenn wir unserer eigenen Einschätzung misstrauen und nochmal einige Tage draufschlagen, was die zeitliche Planung - etwa beim Kauf von Weihnachtsgeschenken -  betrifft.

Henning Beck hat aber noch einen anderen Tipp für uns parat. Er empfiehlt: "Man kann sich auch aufschreiben, wie lange etwas gedauert hat." In der Rückschau erkennen wir dann später: Ups, das war doch länger als gedacht. So können wir beim nächsten Mal besser planen. "Und dann ist man hoffentlich besser vorbereitet."