Blähbauch und Durchfall - viele machen in letzter Zeit Weizenprodukte für eine gewisse Unverträglichkeit verantwortlich. Dabei ist es fraglich, ob es am Weizen selbst liegt oder nicht vielmehr an der Herstellung der Weizenprodukte.

Wer nicht alles behauptet, Weizenprodukte nicht zu vertragen. Tatsächlich scheint es Menschen zu geben, denen es besser geht, seit sie beispielsweise auf Nudeln und Brot verzichten. Mediziner sprechen in jüngster Zeit auch von einer Weizensensitivität.

Wenn aber neuerdings ein Grundnahrungsmittel der Menschheit für uns schlecht sein soll, das seit 10.000 Jahren auf dem Essensplan steht und mit Reis und Mais zu den meist angebauten Nahrungsmitteln der Welt gehört, darf man schon fragen, wie das wohl sein kann?

"Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass nicht die Inhaltsstoffe von Weizen das Problem sind, sondern die Art, wie heute Brot gebacken wird."
Verena von Keitz, DRadio Wissen

Ernährungsforscher der Uni Hohenheim weisen darauf hin, dass der Brotteig bei industrieller Herstellung keine Zeit mehr zum Gehen hat. Traditionelle Bäcker geben dem Teig einige Stunden Zeit. Die meisten beschleunigen aber inzwischen den Prozess mit dem Effekt, dass in den Broten oder Brötchen sogenannter kurzkettiger Zucker enthalten ist. Genau der ist laut der Forscher ein möglicher Verstärker von Reizdarmproblemen.

Dinkel und Emmer statt Weizen ist auch nicht die Lösung

Alternative Getreideprodukte wie Dinkel und Emmer erleben in jüngster Zeit eine Art Renaissance. Manche glauben, dass sie diese Produkte besser vertragen als Weizen. Ziemlich wahrscheinlich ist das aber ein Trugschluss.

Es kann zwar sein, dass Brot aus Biobäckereien mit Dinkel oder Emmer besser vertragen werden, dann ist aber auch davon auszugehen, dass diese Bäcker ohnehin viel mehr Wert auf die Lebensmittel legen und auch den Teig lange haben gehen lassen. Was soviel bedeutet wie: Ziemlich wahrscheinlich würden wir Weizenprodukte dieses Biobäckers ebenfalls gut vertragen.

"Weizen ist nicht ungesünder als andere Getreidesorten. Ihn vom Speiseplan zu streichen, ist für viele Menschen völlig unnötig."
Verena von Keitz, DRadio Wissen

Verena von Keitz merkt noch an, dass es nicht verwunderlich ist, dass jetzt gerade Weizen als Sündenbock für gewisse Probleme wie Reizdarm herhalten muss. Zuletzt waren die Schuldigen für Übergewicht oder andere Zivilisationskrankheiten Fett, Salz, Milch, Gluten - und jetzt eben Weizen.

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