Wenn sich ein Angehöriger sehr verändert, alles vergisst oder in altbekannten Straßen plötzlich verloren geht, folgt oft der Satz: "Omi, denk doch mal nach!" Das ist wirklich dämlich.

Das Leben mit Menschen, die an Demenz oder Alzheimer erkrankt sind, ist für Angehörige schwierig. Sie mit ihrer Veränderung zu konfrontieren oder zum Nachdenken aufzufordern, bringt nichts, sagt Sophie Rosentreter, die Angehörige von Demenz-Kranken unterstützt. Was wirklich hilft, ist Wissen über die Krankheit.

"Von Menschen mit Demenz können wir lernen stehen zu bleiben und das Hier und Jetzt zu genießen."
Sophie Rosentreter

Der wichtigste Aspekt aus Sophies Sicht: Auch wenn der Verstand irgendwann wegbricht - die Menschen sind doch voller Gefühl. Und genau da können wir Kontakt mit ihnen aufnehmen.

Weg vom Verstand, hin zum Gefühl

Zum Besuch bei der dementen Oma empfiehlt Sophie Rosentreter Musik mitzunehmen, ein Lied von früher vorzuspielen oder Fotos anzuschauen. Wenn die Personen auf den Fotos fremd bleiben, aktiviert das Ereignis an sich vielleicht ein Gefühl. Gemeinsam kochen oder Tiere streicheln hilft manchmal auch dabei, eine Verbindung zu bekommen. Wichtig ist von Monologen wegzukommen und gemeinsam etwas zu erleben.

"Meditation pur"

Von Menschen mit Demenz können wir lernen stehen zu bleiben und das Hier und Jetzt zu genießen, sagt Sophie Rosentreter. Das sei das Einzige, was sie noch mit uns teilen können. "Das ist Meditation pur", meint sie. Und dann sind wir auch schon bei der Frage, was eigentlich wichtiger ist am Menschsein. Der Verstand oder die Gefühle?

"Man muss Menschen mit Demenz immer ehrlich begegnen, weil dadurch, dass sie voll und ganz mit ihrem Gefühl verbunden sind, sehen sie ganz genau, ob du es ernst meinst oder etwas vorspielst."
Sophie Rosentreter

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