Am Weltfrauentag verleiht die Europäische Union den Preis "Women Innovators 2017" in Brüssel. Ausgezeichnet werden damit erfolgreiche Gründerinnen. Insgesamt sind zwölf Frauen aus zehn europäischen Ländern nominiert - darunter auch Claudia Gärtner aus Jena. Insgesamt machen sich aber in Deutschland immer noch viel weniger Frauen selbständig als etwa in Großbritannien.

Claudia Gärtner aus Jena ist bei den "Women Innovators 2017" nominiert. Sie hat in Thüringen den Microfluidic ChipShop gegründet. Ihre Geschäftsidee sind Minilabore, die auf einen Chip passen. Das hilft zum Beispiel in der Medizin schnelle Diagnosen zu stellen.

„Es ist ein kleines Plastikgerät, und mit einem Tropfen Blut erhalten Sie Ihre Analyseangaben, um zum Beispiel Krebs oder Infektionskrankheiten nachzuweisen.“
Claudia Gärtner, nominierte Unternehmerin
Claudia Gärtner, nominierte Unternehmerin für den Womens Innovators 2017 Preis
© European Commission /Women Innovators 2017
Claudia Gärtner aus Jena präsentiert sich bei "Women Innovators 2017"

Die Motivation der meisten Frauen in der Schlussrunde für den europäischen Unternehmerinnenpreis ist sehr ähnlich: Sie wollten Chefinnen werden. Und vor allem wollten sie etwas Sinnvolles tun, was der Gesellschaft hilft, nicht nur etwas, womit man reich werden kann.

So auch die Spanierin Gema Galdon Clarell. Sie hat die Eticas Research Consultancy gegründet. Und die will, dass Technik nicht unsere Gesellschaft beherrscht, sondern dass unsere Werte bei den technischen Lösungen mitgedacht werden. Damit meint sie zum Beispiel, dass eine Firma verhindern kann, dass Fake News auf ihrer Seite verbreitet werden. Die Unternehmerin berät Firmen, wie man das schon gleich beim Design, bei der Entwicklung einbauen kann.

"Was mich auch begeistert hat, war die Idee von der Biochemikerin Sandra Rey. Deren Firma Glowee verkauft Bio-Beleuchtungen mit Bakterien, die Licht erzeugen."
Sandra Pfister, DRadio Wissen
Sandra Rey, nominierte Unternehmerin für den Womens Innovators 2017 Preis
© European Commission /Women Innovators 2017
Sandra Rey aus Frankreich produziert mit ihrem Unternehmen Glowee Bio-Lichtquellen.

In Deutschland sind laut Start-up-Monitor nur knapp 14 Prozent der Gründer Frauen. Das könnte oft auch an ihrer Studienwahl liegen. Nur wenige Frauen werden Ingenieurinnen oder Biochemikerinnen. Das sind die Bereiche, in denen viel Neues entsteht. Und Frauen werden offensichtlich aktiv diskriminiert, wenn sie sich selbstständig machen wollen. Die OECD hat vor einem halben Jahr festgestellt: Frauen haben es viel schwerer, an Geld ranzukommen. Banken wollen von ihnen viel mehr Sicherheiten sehen als von Männern.

In Schweden oder auch in Großbritannien machen sich deutlich mehr Frauen selbstständig als in Deutschland. Dort hat das Gründen von Firmen ein viel besseres Image als bei uns. Außerdem kommen Gründer dort seit ein paar Jahren leichter an Geld ran - das hilft sicher auch den Frauen.

Britinnen sind flexibler in der Berufslaufbahn

Bei den Britinnen zum Beispiel sind auch die Karrierepfade nicht so schnell festgetrampelt: Nahezu jeder, der einen akademischen Abschluss hat, kann Lehrer werden, ein Historiker kann Karriere bei einer Bank machen, man kann auch noch mal ohne viel Aufwand umschulen und neu anfangen.

Davon können Frauen profitieren, wenn sie wegen Kinderkriegen öfter einen Karriereknick haben. Ihnen wird dadurch suggeriert: Probier doch noch mal die Selbstständigkeit aus. Wenn Du scheiterst, kannst Du Dich immer noch fest anstellen lassen. Als Motivation kann das enorm helfen.