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Richard Branson ist am Sonntag mit einem Raumschiff seines Unternehmens "Virgin Galactic" erfolgreich ins All geflogen – und war damit ein paar Tage schneller als sein Konkurrent Jeff Bezos. Technisch war das zwar interessant, am Ende ist das aber ein Ego-Ding zwischen zwei Multi-Milliardären, findet Astrophysiker Michael Büker.

Einmal hin, ein paar Minuten Schwerlosigkeit und dann wieder zurück zur Erde. Nach etwa 90 Minuten war der britische Unternehmer und Multimilliardär Richard Branson (70) von seinem Kurztrip ins Weltall zurück. "Einfach magisch" sei es da oben gewesen, hat er gesagt.

Wenige Minuten Schwerelosigkeit

Der Flug ist so verlaufen wie geplant, hat uns Astrophysiker Michael Büker erzählt. Das Virgin-Galactic-Raumschiff "VSS Unity" wurde unterhalb eines Trägerflugzeugs bis auf eine große Höhe gebracht und hat sich dort vom Flugzeug gelöst und ein Raketentriebwerk gezündet. Dieses hat das Raumschiff innerhalb weniger Sekunden auf einen Kurs in einer Höhe von etwa 85, 86 Kilometern über der Erde gebracht. Dort war das Raumschiff dann für wenige Minuten schwerelos. Anschließend ging es wieder zurück zur Erde, die Flügel wurden ausgeklappt und Branson und seine Crew landeten sicher in der Wüste New Mexicos.

Wo beginnt der Weltraum?

International anerkannt von den meisten Weltraumorganisation und Regierungen ist eine Grenze namens Kármán-Linie, benannt nach dem ungarisch-amerikanischen Physiker und Luftfahrttechniker Theodore von Kármán. Demnach beginnt der Weltraum ab einer Höhe von 100 Kilometern. Das US-Militär und seit ungefähr 15 Jahren auch die US-Weltraumbehörde Nasa gehen aber stattdessen von einer Definition von 80 Kilometern aus, erklärt Michael Büker.

"Laut Kármán-Linie beginnt der Weltraum ab einer Höhe von 100 Kilometern. Für das US-Militär und die Nasa beginnt er bei 80 Kilometern."
Michael Büker, Astrophysiker

Das sei vor allem dadurch motiviert, dass Testpiloten der US Air Force in den 60er-Jahren die Höhe von 80 Kilometern erreicht hatten, nicht aber die 100 Kilometer. Um diese Testpiloten in die Gruppe der Menschen, die man als Astronauten bezeichnen konnte, einzuschließen, wählten die USA die Höhe von 80 Kilometern.

Virgin Galactic vs. Blue Origin

Seinem Multimilliardärskollegen Jeff Bezos ist Richard Branson um neun Tage zuvorgekommen. Der Amazon-Boss will am 20. Juli ins Weltall fliegen – dafür dann aber ein paar Kilometer höher, er will die 100 Kilometer knacken. Dieser Flug wird sehr wahrscheinlich technisch genauso problemlos verlaufen, glaubt Michael Büker. Für die Entwicklung der Raumfahrt und für die Verbindung zwischen der Bevölkerung und der Raumfahrt werde dieser Flug aber genauso wenig ändern.

Der "Wettlauf ins All", den beide Multimilliardäre inszenieren, kommt in der Weltraum-Community nicht gerade gut an, sagt der Astrophysiker. Weil er dem Geist der Raumfahrt widerspricht. Die erste Generation von Astronauten, die beispielsweise mit dem Apollo-Programm zum Mond geflogen ist, waren militärische Testpiloten. Sie seien damals aufgefallen durch besonders große Disziplin und ein – zumindest nach außen hin – sehr bescheidenes Auftreten, so Michael Büker.

Bescheidenheit und Wissenschaft

Inzwischen gebe es auch eine zweite Generation von Raumfahrenden, die ebenfalls sehr bescheiden auftreten, vor allem wissenschaftlich motiviert sind und sich darum bemühen, andere zu begeistern. Der Astrophysiker nennt hier etwa Alexander Gerst oder die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti.

"Alexander Gerst oder Samantha Cristoforetti sind einfach sehr sympathische Charaktere, die besonders durch Bescheidenheit auftreten. Was Richard Branson da gestern gezeigt hat, war ein sehr, sehr anderes Bild."
Michael Büker, Astrophysiker

Die 17 Jahre lange Entwicklung des Raumschiffes sei tatsächlich eine nennenswerte technische Leistung, sagt Michael Büker. Allerdings habe diese Entwicklung auch Todesopfer gefordert – "ein bisschen traurig", dass das bei der Show von Virgin Galactic kaum zur Sprache gekommen ist, findet er.

Branson und sein Traum

Bei der Show sei es im Prinzip nur darum gegangen, dass sich Richard Branson endlich seinen Traum erfüllt hat. Das sei auch immer wieder so gesagt worden. Die "Verbindung zum Rest der Menschheit" sei aber viel zu kurz gekommen. Bald könnten auch Forscher mit Bransons Unternehmen ins All fliegen, hieß es zum Beispiel. Dass der Funke in diese Richtung übergesprungen ist, glaubt Büker aber nicht.

"Da ist ein Mann, der hat mehr Geld, als er essen kann. Und er macht halt, was er will. Cool. Aber wo ist die Verbindung zum Rest der Menschheit?"
Michael Büker, Astrophysiker

Die Tickets für die Flüge stoßen bei gutbetuchten Menschen auf reges Interesse. Bis zu 250.000 Dollar werden dafür bezahlt.